Transalp 2009
16.07.-24.07.2009
Lenggries nach Riva
456 km, 10469 hm, 6 Etappen
Nachdem ich letztes Jahr wegen Haus-Kauf / Renovierung / Umbau transalpmäßig zum
Pausieren gezwungen war, ging's dieses Jahr wieder per Fahrrad über die Alpen.
Schon recht früh haben wir mit der Planung begonnen und sogar einen für alle
passenden Termin gefunden.
Die
Truppe war diesmal 6 Mann stark. Dabei waren die üblichen Verdächtigen Gunther,
Jürgen (Gonzo), Andreas und ich. Auch Seppl war wieder dabei. Als Rookie ging
diesmal Oliver an den Start. Dirk konnte leider wegen Babypause und Nachwehen
einer Antibiotikum–Behandlung nicht dabei sein.
Nach langem Hin und Her haben wir uns für eine Tour aus dem Buch von Achim Zahn
entschieden. Von Lenggries bis zum Gardasee sollte es gehen, mit den Highlights
Schneebergscharte und Eisjöchl.
Wegen der eher schlechten Erfahrungen mit dem Spätsommer-Wetter in den Alpen aus
den letzten Jahren haben wir uns diesmal dazu entschlossen, etwas früher zu
starten, um Schnee und Eis aus dem Weg zu gehen. Mit eher mäßigem Erfolg, wie
man weiter unten im Text lesen kann.
16.7.09
Anreise
Die
Logistik der Anreise gestaltete sich wegen individueller Bedürfnisse ziemlich
schwierig. Deshalb reisten wir 6 Figuren mit sage und schreibe 5 Autos an. Als
ich gegen 21:30 am Gästehaus Heiß in Lenggries eintraf waren demzufolge die
Parkplätze schon alle belegt. Meine Mitstreiter waren schon eingetroffen und
stärkten sich bereits in einer nahegelegenen Gastwirtschaft mit fester und
flüssiger Nahrung. Auch für mich hat's noch zu einer Kleinigkeit gereicht, bevor
wir den Rückweg zum Gästehaus antraten.
Die
Wetteraussichten für den nächsten Tag reichten von Sonne am Vormittag bis hin zu
Hagelstürmen gegen Abend. Früh ins Bett und so bald wie möglich losfahren war
deshalb die Devise.
17.7.09,
Lenggries – Lanersbach, 109 km, 2346 hm auf, 1723 hm ab, 9:58 min
Die
Nacht verlief ruhig und das Frühstück war ok. Die Wirtin bestätigte die
apokalyptischen Wettervorhersagen und trug so nicht wirklich zur Steigerung der
Laune bei. So beeilten wir uns, unseren Krempel zusammenzupacken und die Autos
zu einem gebührenfreien Parkplatz in der Stadt zu bringen. Dort wurden noch die
Kompasskarten für die Tour brüderlicht aufgeteilt, und dann ging es auch schon
los.
Da
keiner von uns auf Hüttenübernachtungen steht, haben wir die Zahn-Route so
gepimpt, dass wir die Nächte im Tal verbringen können. Wir hatten in den letzten
Jahren festgestellt, dass dort zwar die Übernachtung etwas teuerer ist, dafür
das Essen aber deutlich günstiger und besser. Bei den enormen Mengen, die wir
allabendlich in uns reinschaufeln ein nicht zu vernachlässigendes Argument.
Um
also die Übernachtung in der Weidener Hütte zu vermeiden, beschlossen wir das
Plumsjoch auszulassen und stattdessen am ersten Tag noch über das Geiseljoch zu
gehen. Es ging also zunächst auf Straße bzw. Radweg zum Achensee und an diesem
entlang und runter ins Inntal. In Schwaz füllten wir an einer Tankstelle
nochmals unsere Radflaschen und bedachten die ebenfalls dort rastenden
Rennradler ob ihres langbeinigen Begleitfahrzeug-Personals mit neidvollen
Blicken. Aber es half nichts, wir müssen unseren Krempel weiterhin selbst
schleppen. Ab Weerberg ging's dann langsam bergauf auf Asphalt Richtung Weidener
Hütte. Die erste Bergwertung sozusagen.
Am
Abzweig auf die Forstautobahn war Sammeln angesagt. Nur so zum Zeitvertreib
versenkte Seppl beim Fotografieren mit Selbstauslöser seine Kamera in einem
metertiefen Brennnessel-Loch. Die schlussendlich erfolgreiche Suche danach
gestaltete sich schwierig, aber für die unbeteiligten Zuschauer durchaus
unterhaltsam.
Wieder komplett ging's dann weiter zur Weidener Hütte. Dort haben wir uns für
den kommenden Anstieg zum Geiseljoch noch mal gestärkt. Es hatte zwar
zwischenzeitlich etwas geregnet, aber jetzt war es wieder trocken, von oben
jedenfalls. Auf der Sonnenterasse linste sogar ab und an die Sonne hervor.
Gestärkt ging's auf Singletrial zum Geiseljoch, durchweg fahrbar, aber knackig.
Entlang der Strecke waren Wegweiser für die Jeantex Transalp Challenge
angebracht, die zwei Tage nach uns startete.
Die
Abfahrt nach Vorderlanersbach verlief zunächst auf gut fahrbarem Singletrial,
dann auf breitem Schotterweg. Irgendwie hat das Geholper meinem Garmin so
zugesetzt, dass es für den Rest der Tour nur noch als Ballast im Rucksack
taugte. Zum Glück hatten wir noch ein Zweitgerät dabei.
Wegen der Länge der Etappe hatte Gonzo für die erste Nacht in Lanersbach schon 3
Doppelzimmer klar gemacht. Gerade noch vor dem großen Wolkenbruch schafften wir
es zur Alpenrose nach Lanersbach. Die schon etwas feuchten Regenklamotten
hängten wir gleich in den Heizraum, bevor wir uns im Gastraum ein Bierchen
gönnten. Das allabendliche Ritual "Duschen und Klamottenwaschen" stand nun auf
dem Plan, bevor wir bei mittlerweile starkem Regen zu einer Gaststätte in der
Nähe schlappten zum abendlichen Auftanken der Kohlenhydrat-Speicher. Essen war
ok, Bier auch.
Als
wir zurück zur Alpenrose gingen, regnete es immer noch sehr stark. Die
Wetterfrösche in der Glotze mahnten zur Vorsicht in den Bergen und sprachen von
sinkender Schneefallgrenze. Die Aussichten waren schon mal rosiger…
18.7.09,
Lanersbach – Sterzing, 48 km, 1171 hm auf, 1802 hm ab, 7:02 min
Der
erste Blick aus dem Fenster zeigte, dass die Wetterfrösche sich ausnahmsweise
mal nicht geirrt hatten. Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel. Noch blieb hier
im Tal nichts liegen, aber je weiter der Blick bergwärts wanderte, umso weißer
wurde die Landschaft. Ratlose Diskussionen beim Frühstück, immerhin sollte es
auf gut 2300 m übers Tuxer Joch gehen. Ein Anruf bei der Tuxer Joch Hütte sollte
Aufschluss über die Wegbeschaffenheit geben. 5 cm matschiger Neuschnee, so die
Auskunft der Hüttenwirtin. Kein Problem für uns, dachten wir. Mit leichtem
Rucksack (alles, was warm hält, hatten wir angezogen) ging's auf der Straße nach
Hintertux. Der Schneefall wurde immer stärker und so versuchten wir uns mit
einem fröhlichen Liedchen bei Laune zu halten und trällerten eine Abwandlung von
"3 Chinesen mit dem Kontrabass" (6 Idioten auf dem Mountainbike). Da einige
warme Kleidungsstücke dem Gewichtsparwahn zum Opfer gefallen waren, war dort
allerdings erst mal Shopping angesagt. Ein warmer Skipulli für mich und lange
Handschuhe für Oli und Andreas sollten die winterliche Witterung erträglich
machen. An der Seilbahnstation trennten Oli und ich mich vom Rest der Truppe.
Die vier wollten mit der Seilbahn bis zur Sommerberg-Alm fahren. Oli und ich
wollten es uns nicht nehmen lassen, das Tuxer Jochhaus mit Muskelkraft zu
erklimmen.
Saukalt
war es, und je steiler es wurde, umso schwerer fiel es, ausreichend Grip für den
Vortrieb zu finden. Mittlerweile lagen gut 30 cm Neuschnee und an Fahren war
zeitweilig nicht zu denken. So ging's halt per pedes weiter. Nachdem wir die
Bergstation der Seilbahn passiert hatten, sahen wir entfernt im Schneegestöber
auch die restlichen Vier, die sich vor dem Aufstieg von der Bergstation zum
Jochhaus noch eine wärmende Suppe in der Seilbahnstation gegönnt hatten.
Knietief stapften wir durch den Schnee und erreichten durchgefroren die Tuxer
Jochhütte. Die nassen Klamotten deponierten wir im Vorraum und tranken erst mal
etwas Warmes.
Der
Gastraum der Hütte war voll mit frustrierten Wanderern, die hier wetterbedingt
Zwangspause machten. Aus Langeweile hatten die Wanderer schon zwei mannshohe
Schneemänner vor der Hütte gebaut, die wir als Requisite für ein Gruppenbild
nutzten. Noch planten wir den Abstieg nach Kasern, obwohl die Hüttenwirtin uns
abriet. Doch beim Versuch, den Weg zu finden, stellten wir fest, dass dieser im
Schnee komplett unsichtbar war. Trotzdem wollten wir es wagen, schließlich
hatten wir den Track auf GPS. Allerdings hatte der eine oder andere ernste
Bedenken, und so beschlossen wir nach einigem Überlegen, das Unternehmen
abzubrechen. Ein Plan B musste her, und der sollte nicht "Hüttenübernachtung"
heißen. Also zurück nach Hintertux. Gunther, Oli und ich surften mit dem Radl
bergab, der Rest nahm die Seilbahn.
Das
Fahren im tiefen Schnee funktionierte zunächst überraschend gut. Gunther
beklagte zunächst mangelnde Bremswirkung seiner Felgenbremse, aber anscheinend
hat er sich nach und nach daran gewöhnt, und so ging's relativ flott bergab.
Weiter unten ging der Schnee in Matsch über. Zusammen mit den
Hinterlassenschaften der eilig von der Weide in den Stall getriebenen
Rindviecher ergab sich so eine übelriechenden Pampe, die sich beim flotten
Durchfahren mangels Schutzblech gleichmäßig über Klamotten und Radl verteilte…
lecker!
Zeitgleich mit den Gondelfahrern kamen wir in Lanersbach an. Der Plan war, auf
Straße nach Mayerhofen zu düsen und von dort mit der Bahn zunächst nach
Innsbruck und von dort nach Gries am Brenner zu fahren. Die Alpensüdseite
versprach nämlich besseres Wetter.
Je
weiter wir talwärts kamen, umso wärmer wurde der Regen und das aufspritzende
Wasser von der Straße. Trotzdem fror zumindest ich ziemlich. Am Bahnhof
angekommen suchten wir eine passende Verbindung aus und die ersten besorgten
schon Fahrkarten, während Gunther und Oli einen Plan C ausheckten. Taxi bis nach
Sterzing war die Idee. Überraschenderweise gelang es sogar, einen Taxifahrer zu
finden, der einen Rad-Anhänger und einen Kleinbus besaß. Gegen einen
entsprechenden Obolus war er bereit, uns die immerhin 115 km über die Grenze zu
karren. Schnell waren die Bikes verladen. Im Bus verbreitete sich rasch ein
beeindruckender Gestank aus Schweiß und Kuhscheiße. Die Gesichtsfarbe des
Fahrers verblasste deshalb zunehmend und nach einiger Zeit wusste er sich nicht
anders zu helfen, als unter Vortäuschung einer Pinkelpause frische Luft zu
tanken. Danach ging's flott weiter nach Sterzing. Wir hofften auf ein schnellen
Erfolg bei der Hotelsuche, aber leider fand dort gerade ein Motoradtreffen
statt, und so waren die Hotels in der Stadt ausgebucht. Ca. 5 km außerhalb
Richtung Freienfeld wurden wir dann im im Hotel Saxl fündig. Ein ziemlich großer
Bunker mitten im Nirgendwo. Der erste Eindruck war nicht gerade der Beste, aber
Zimmer und Essen waren wirklich ok. Auch das Service-Personal wurde zunehmend
freundlicher, als wir nach dem Halb-Pensions-Menü noch eine riesige
Schinkenplatte und die eine oder andere Flasche Lagrein (den feinen Mori-Gries)
bestellten.
Mir
allerdings bereitete das Sitzen ziemliche Probleme. Das nasse Mikro-Klima unter
der Regenhose und meine in die Jahre gekommene lange Radelhose haben mir
Oberschenken und Arschbacken wundgescheuert. Hoffentlich wird das bis morgen
wieder… Sprühpflaster und geborgte Wundsalbe von Seppl sollte helfen… Weinselig
ging's jedenfalls zu Bett, nicht ohne noch mal nach den zum Trocknen
aufgehängten Klamotten im Heizraum zu schauen.
19.7.09,
Sterzing – Lana, 79,6 km, 1157 hm auf, 1778 hm ab, 7:41 min
Erleichterung beim Blick aus dem Fenster… Sonne! Trotzdem waren die höheren
Lagen noch eine Winterlandschaft. Wir beschlossen deshalb für heute anstatt über
die Schneebergscharte zu gehen eine geruhsame Etappe bis Lana einzulegen.
Schon beim Anziehen zum Frühstück merkte ich, dass meine neue und sündteure
Radhose nicht kompatibel mit meinen wundgescheuerten Hautstellen war, trotz
Sprühpflaster und Wundsalbe. Die einzige Möglichkeit zur Weiterfahrt bot meine
topmodische Boxershorts (mit Eingriff), die ich als nächtliches Beinkleid bei
einem namhaften Kaffeeröster erstanden hatte. Das sah zwar ziemlich dämlich aus,
aber so konnte ich bei entsprechender O-Bein-Stellung relativ schmerzfrei gehen
und strampeln.
Das
Frühstück war ok, die Rechnung ob der abendlichen Freßorgie eindrucksvoll, und
los ging's zunächst zurück nach Sterzing und von dort auf einer
Schotterfahrstraße durch das Ratschings-Tal bergan. Eine idyllische, aber nicht
bewirtete Berghütte am Wegesrand lud zur Rast mit tollem Ausblick und wärmenden
Sonnenstrahlen ein. Weiter ging's dann bergan zunächst auf schmaler werdendem
Weg, dann in direkter Falllinie auf einer Skipiste Richtung Wasserfaller Alm.
Diese gemütliche, bewirtete Berghütte konnten wir einfach nicht links liegen
lassen. Da wir fast nur noch bergab rollen mussten, legten wir hier eine
ausgedehnte Rast mit Nudeln und Radler ein. Zum Abschluss spendierte der Wirt
noch ein Schnäpschen, das für die nötige Lockerheit bei der folgenden Abfahrt
sorgen sollte. Zunächst ging's noch ein paar Höhenmeter bergauf, bevor wir auf
die Straße des Jaufen-Passes trafen. Die Abfahrt wurde von den vielen Autos und
Motorrädern ziemlich behindert, aber den einen oder anderen motorisierten
Verkehrsteilnehmer konnten wir doch überholen.
Dann
ging's durchs Passeier Tal. Eigentlich wollten wir in Moos im Passeier nächtigen
und am nächste Tag über das Eisjöchl zu gehen. Die Schneelage über 2500 m war
aber immer noch kritisch und so beschlossen wir, auf dem Radweg weiter nach
Meran entlang des Flusses Passer zu radeln. Irgendwie haben wir uns durch Meran
gewurstelt und fuhren auf dem Radweg nach Lana. Dort hatte sich Gunther bei
einer früheren Geschäftsreise schon einmal im Hotel Tiefenbrunn einquartiert,
deshalb versuchten wir es gleich dort. Wir hatten Glück, es waren noch 3
Doppelzimmer frei. Nach dem Wäsche-Waschen und Duschen gönnten wir uns noch ein
Bierchen am Pool, bevor wir ein gutes Halbpension-Abendessen auf der
Hotelterrasse genossen. Ein paar Gläschen Wein später machten wir uns auf in die
Falle. Ein Teilnehmer allerdings legte noch einen halsbrecherischen Kletterstunt
von Balkon zu Balkon ein, um die Kollegen im Nebenzimmer etwas zu erschrecken.
Ansonsten verlief die Nacht ohne weitere Zwischenfälle.
20.7.09, Lana
– Male, 67,6 km, 2240 hm auf, 1767 hm ab, 8:57 min
Schon
wieder Sonne! Nach Frühstück und Abschiedsfoto mit Wirt radelten wir auf
bekannten Pfaden (die Etappe hatten wir 2007 schon gefahren) durch das Ultental
auf Straße nach St. Gertraud. Die ca 30 km bergan kamen uns dieses Jahr aber
deutlich kürzer vor und so versammelten wir uns an gewohnter Stelle in St.
Gertraud zur Aufnahme von Kohlenhydraten für den kommenden Aufstieg auf das
Rabbi-Joch. Weiter ging's zunächst auf Schotter-Fahrweg bis zur Bärhapp-Alm,
danach waren noch ein paar Höhenmeter schiebend zu bewältigen und schon hatten
wir das Rabbi-Joch erklommen. Der Abstieg zur Haselgruber Hütte ist recht kurz
und war für uns nicht fahrbar. Dort stärkten wir uns noch mal für die tolle
Abfahrt nach Male, die zunächst als Single-Trail eine Almwiese quert und
sich dann etwas breiter werdend Richtung Tal schlängelt.
Unsere erste Anlaufstelle zum Nachtlager was das Hotel Henriette, wo wir schon
2007 übernachteten. Im Hotel selbst gab es keine Zimmer mehr, aber in einem
typisch italienisch heruntergekommenen Haus gegenüber konnten wir noch ein
3-Zimmer-Appartment ergattern (hat in diesem Falle rein gar nichts mit "apart"
zu tun). Egal, duschen, Klamotten waschen und ab auf die Rolle. Das Ziel war
eine Pizzeria im Ort, die wir schon 2007 heimsuchten und wo wir auch dieses Jahr
ganz passabel speisten. Auf dem Rückweg gönnten wir uns noch ein Eis in einer
Eisdiele, bevor wir in unser Luxusdomizil zurücklatschten. Die Hauptstraße
verlief eigentlich direkt an unseren Fenstern vorbei, aber wenn man die Augen
schloss, hatte man den Eindruck, die Brummis fahren geradewegs durch'
Schlafzimmer. Ich hab trotzdem gut geschlafen…
21.7.09, Male
– Lago di Tovel, 47,56 km, 1740 hm auf, 1288 hm ab, 8:29 min
Die
erste Herausforderung des Tages hatte sich schon am Vorabend abgezeichnet… eine
Toilette für 6 Radler ist definitiv zu wenig. Hier war kluges Taktieren
angesagt…
Wer
sich gelegentlich deprimiert aus der Dorf-Disco schleicht, weil er sich
angesichts des jungen Gemüses dort ziemlich alt vorkommt (O-Ton: Jetzt kommen
die Alten schon zum Sterben auf die Tanzfläche…), findet im Frühstücksaal des
Hotels Henriette die ideale Therapie. Der Altersschnitt dort dürfte gut
dreistellig sein, und so fühlt man sich auch in gesetzterem Alter plötzlich
wieder jugendlich. Es ist eben alles relativ, auch das Alter… Frühstück an sich
war ok. Gestärkt rollten wir auf dem Radweg Richtung Dimaro und von dort auf
einem ausgewiesenen Radweg Richtung Madonna di Campiglio. Die Strecke ist Teil
des neu veröffentlichten Brenta-Bikereviers und führt bergan durch schmucke
Wälder und entlang tiefer Schluchten. Kurz nach der Malga C.C.Magno zweigt der
Radweg zum Rifugio Graffer links ab. Der Anstieg startet recht sanft, wird aber
allmählich immer steiler, sodass wir anständig ins Schwitzen kamen und zwei-
oder dreimal absteigen mussten. Nur Seppl hatte letzte Nacht offensichtlich zu
nahe an der Steckdose gepennt und hat die ganze Strecke hochgekeult. Im Rifugio
Graffer erholten wir uns etwas und gönnten uns ein paar Nudeln für die letzten
200 hm zum Passo del Groste. Gunther schüttete noch ein paar Hektoliter
Apfelschorle in sich rein und weiter ging's zum Passo, welcher dann auch schnell
erreicht war. Der Ausblick über die Brenta ist von dort wirklich seht
beeindruckend.
Weiter
ging's zum Lago di Tovel. Eigentlich nur noch runterrollen, so die Hoffnung
einiger. Ich bin dort vor ca. 12 Jahren schon einmal in umgekehrter Richtung
gegangen, und wusste deshalb, dass da mir "rollen" nicht viel zu machen ist. Die
Abfahrt bzw. der Abstieg bis zur Malga Pozzol di Flavola hat uns dann auch gut
und gerne zwei Stunden beschäftigt. Gelegentlich haben wir versucht, ein paar
Meter zu fahren, vor allem Oli war diesbezüglich ziemlich motiviert. An einer
Felskante ist er dann mit dem Vorderrad hängen geblieben und hat sich gelöffelt.
Nicht wirklich schlimm, aber leider ist dabei sein schöner neuer Merida 96
Carbonrahmen mit dem Unterrohr recht unglücklich auf einen dicken Stein gefallen
und hatte einen ziemlichen Schaden (ca. 10 Cent-Stück groß, Delle mit vermutlich
gerissenen Fasern). Zum Glück hat Oli eine "Rund-um-Sorglos"-Versicherung für
das Radl abgeschlossen, und so war die Laune nicht ganz im Keller, zumal er mit
dem Radl weiterfahren konnte.
Seppl hatte wohl das Pech, die Radflasche an einer eher ungünstigen Stelle
aufzufüllen. Jedenfalls war für den Rest der Tour der "flotte Otto" sein
permanenter Begleiter.
Ab
der Malga Pozzol di Flavola ging's dann auf Fahrstraße bis zum Lago di Tovel.
Angesichts der etwas mageren Betten-Situation hatten wir im Vorfeld etwas
Bedenken, ob wir vor ort eine Unterkunft finden würden. Zum Glück hat es dann
aber auf Anhieb im Albergo Lago Rosso geklappt. Drei Doppelzimmer, zwei davon
allerdings kaum größer als das Doppelbett. Waschbecken auf dem Zimmer, aber
Etagen-Dusche und Toilette. Gunther hat sich in der Wäschekammer erst mal ein
Leintuch geklaut, damit wenigstens jeder sein eigenes Deckbett hatte. Dann hieß
es Anstehen zum Duschen.
Das
Halbpensions-Abendessen war recht lecker, es gab Nudeln, dann Fisch. Zusammen
mit ein paar Gläschen Hauswein sehr geniesbar.
Nach dem Abendessen genossen wir noch etwas die Ruhe und etwas Rotwein auf der
Terrasse am See, bis ein paar Jungs am Tischfussball einen derartigen Radau
veranstalteten, dass wir uns zeitig vom Acker machten. Die Nachtruhe wurde
diesmal nicht von donnernden LKWs gestört.
22.7.09, Lago
di Tovel – Torbole, 103,7 km, 1815 hm auf, 2879 hm ab, 9:47 min
Heute ist unsere letzte Fahretappe! Das Frühstück war diesmal etwas spärlich.
Leider gab es nur typisch italienisches Weißbrot ohne jeglichen Nährwert. Müsli
war auch Fehlanzeige.
Zunächst
stand der Passo Termoncello auf dem Programm. Gunther, Oli und ich wollten uns
diesen zur Brust nehmen, während Gonzo und Seppl, der noch immer litt, den Weg
außen herum über die Straße wählten. Leider haben wir den Treffpunkt auf der
anderen Seite nicht so besonders präzise abgestimmt. Auch war nicht so ganz
klar, welchen Weg Andreas nehmen wollte. Er hat sich schließlich für die
Straßen-Version entschieden. Leider hatte er aber die Karte für den heutigen Tag
im Rucksack. Die hätten wir Offroadler auch gut gebrauchen können…
Wie
dem auch sei, Zahn meint, die ersten 300 hm zum Termoncello sind fahrbar, der
Rest ist Schieben/Tragen. Das kann man so auch bestätigen. Wir haben
fälschlicher Weise schon nach ein paar hundert Metern den Wanderweg anstatt den
Fahrweg gewählt, und so kamen wir in den Genuss von ein paar
Extra-Schiebe-Metern.
Oben angekommen hat Gunther erst mal ein Bad im Wassertrog der Almkühe genommen.
Der Salzbedarf dieser Rindviecher dürfte deshalb bis auf Weiteres gedeckt sein.
Nach einem letzten Blick zurück auf die Felswände der Brenta ging's auf
ultrasteilem Schotterweg abwärts. Nach ein paar hundert fahrbaren Höhenmetern
bogen wir auf ein asphaltiertes Sträßchen, auf dem wir ins Tal schossen. Trotz
gelegentlichem Päuschen zum Bremsenkühlen, riss an Gunthers Vorderrad beim
Anbremsen auf eine Kehre das Ventil ab… also Schlauch tauschen und vorsichtig
weiter gen Tal rollen.
Je
weiter Talwärts wir kamen, umso wärmer wurde es. Wir trafen in Denno auf eine
Teerstraße, aber wo genau wollten wir uns noch mal mit den anderen Drei treffen?
Karte wäre nicht schlecht…Vielleicht mal anrufen? Unglücklicher Weise hatten die
Kollegen ihre Handys aus… also Simsen. Irgendwann kam dann auch eine Antwort und
wir warteten vor Sporminore im Schatten auf die anderen. Mittlerweile war es
nämlich recht warm geworden.
Wiedervereint rollten wir weiter abwärts nach Crescino und haben dabei die
Abfahrt nach Spormaggiore verpasst. Also 200 Extra-Höhenmeter auf dem Weg nach
Andalo. Angesichts der schon fortgeschrittenen Uhrzeit entschieden wir uns für
die Straßenvariante. In Andalo gab's noch mal eine kurze Rast mit Apfelschorle
und Kuchen, bevor wir über Molveno entlang des Molveno-Sees auf schönen Trial
nach Neblia und dann höhengleich über eine Panorama-Straße auf Schotter und dann
abwärts auf Kopfsteinpflaster zum Lago di Tobolino rollten. Das war's also,
jetzt nur noch entlang des Sacre nach Torbole rollen.
Gegen 18:30 sind wir dann endlich in Torbole angekommen. Es ist immer wieder ein
tolles Gefühl, nach einem Alpencross versifft und verschwitzt am Gardasee
anzukommen. Man fühlt sich angesichts der
Schicki-Micki-Caron-Titan-Beryilium-Biker dort recht elitär… als richtiger Biker
eben, der einen Berg auch ohne Shuttle bezwingen kann. Wenn's brennt auch in der
TCM-Unterhose (mit Eingriff). Darauf erst mal einen Dujardin, oder besser gleich
ein Weizen. Noch schnell zuhause anrufen, dann vielleicht noch'n Bierchen und
ein paar Spagetti Pomodoro. Gunther hat sich die Wartezeit auf die Nudeln etwas
verkürzt, indem er mal kurz in den Lago gehüpft ist.
Wir
hatten natürlich kein Zimmer gebucht, und deshalb haben
wir beim Bestellen einfach mal die Bedienung gefragt, ob das
Etablissement auch über freie Doppelzimmer verfügt. Nach einigem Hin und Her
ergatterten wir die angeblich letzten drei Zimmer. Wir haben also im Hotel Geier
in Torbole eingecheckt, dann Duschen und los zum Surfers-Grill, unserer
Standard-Adresse für den ersten Abend am Lago. Essen war wie immer topp, danach
noch ein paar Caipirinha's (http://de.wikipedia.org/wiki/Caipirinha)
draufgeschüttet. Müde ging's um ca 01:00 Uhr zu Bett. Nur zwei haben's etwas
länger ausgehalten, und so wurde ich gegen 4:00 Uhr von Rufen vor dem Fenster
wach, ich möge den Herrschaften doch Einlass durch die Hotel-Tür gewähren.
23.7.09,
Ruhetag am Gardasee
Erstmals in unserer langjährigen Transalp-Karriere haben wir uns den Luxus eines
Ruhetags vor der Rückreise gegönnt. Geplant war das zwar nicht, aber durch das
Umbauen der Strecke und das Weglassen von Eisjöchl und Schneebergscharte ergab
es sich so. Wir vertrieben uns den Tag mit Klamotten kaufen (raus aus dem
Plastik-Zeug), Baden, Sonnebrand bekommen und rumlümmeln. Ausklingen ließen wir
den Tag wieder im Surfers-Grill
24.7.09,
Rückfahrt
Für
den Rücktransport haben wir unsere Astral-Körper wieder No-Limits-Sportreisen
anvertraut. Abfahrt war für 09:00 Uhr geplant, der Fahrer war aber schon um
08:30 da. Einladen ging fix, und so ging's pünktlich auf die Bahn. Zwar hat die
Klima-Anlage im Bus nicht funktioniert, aber wir waren trotzdem mit dem Service
zufrieden, zumal wir die einzigen Fahrgäste waren und deshalb direkt nach
Lenggries gebracht wurden, wo wir gegen 12:30 Uhr ankamen.
Die
Autos waren auch noch alle da, und so verabschiedeten wir uns und düsten gen
Heimat. Gonzo hatte seinen Autoschlüssel clevererweise bei Andreas im Auto
untergebracht und machte sich mit Gunther auf die Rückreise. Der
Schlüsselaustausch wurde dann konspirativ auf dem Rastplatz Augsburg vollzogen,
Ich machte auf dem Rückweg noch ein paar Besuche in Ulm und Umgebung und
erreichte Overath um ca. 4:00 Uhr morgens.
Fazit
Trotz dem Wegfall der Highlights Eisjöchl und Schneebergscharte war es wieder
eine tolle Tour, eben eher mit Erholungs-Charakter. Auch die Truppe hat gut
zusammengepasst und das Leistungsniveau war relativ einheitlich. 6 Teilnehmer
sind allerdings meiner Meinung nach schon die obere Grenze. Trotzdem haben wir
auch ohne Vorbuchen immer relativ stressfrei Übernachtungsmöglichkeiten
gefunden.
Pech hatten wir nur mit dem Wetter auf der Alpen-Nordseite. Es scheint ziemlich
egal zu sein, wann wir fahren. Einmal schneit es bei unseren Transalp-Touren
immer…
Zahlensalat
© by G. Wittmacher, 2009
Stand: 11.02.25