Weserradweg Juli 2006
Per Handbike von Bad Karlshafen nach Bremerhafen
Eignung:
Streckenlänge: 430 km
Topographie: Meist flach, mit einigen wenigen etwas steileren Rampen, vornehmlich an Weserbrücken.
Oberfläche: Teilweise Kopfsteinpflaster oder verwitterte Betonplatten. Nicht angenehm, aber machbar
Einkehrmöglichkeiten: Gibt’s entlang der Strecke, abschnittsweise jedoch etwas dünn gesät. Allerdings haben viele Biergärten montags geschlossen
Start/Ziel: Bahnhof Bad Karlshafen / Bahnhof Bremerhafen
Anreise per Bahn: Sollte möglich sein. Allerdings ist Bad Karlshafen ein relativ kleiner Bahnhof, hier verkehren nur Regionalzüge
Anreise per Auto: Von Overath ca. 2-2,5 Stunden
Übernachtungen: Holzminden: Hellers Krug, Altendorfer Str. 19, 37603 Holzminden, Tel. +49 (0) 55 31 / 20 01
Hessisch Oldendorf: privat
Minden: PARK HOTEL INTERNATIONAL, Marienstr. 108, 32425 Minden/Westfalen, Tel. +49 (0) 571 94580 Fax 9458222
Nienburg: Altstadt-Pension "Weserkate", Lange Straße 1, 31582 Nienburg, Tel. +49 (0)5021 – 924906
Verden: Hotel Niedersachsenhof, Lindhooper Straße 97, 27283 Verden / Aller
Tel.: +49 (0)42 31 / 666-0
Bremen: Ibis Bremen Centrum, Rembertiring 51, 28203 Bremen, Telefon+(49) 421 – 36970
Elsfleth: privat
Nachdem uns unsere mehrtägigen Handbike-Touren im vergangenen Jahr so gut gefallen haben, haben wir uns entschlossen, auch dieses Jahr wieder eine lange Flusstour zu machen. Die Wahl auf den Weser-Radweg fiel schon während unserer zweiten Donautour 2005. Ausschlaggebend waren einige Publikationen in diversen Zeitschriften, die den Weserradweg als sehr interessant und trotzdem topographisch für uns machbar beschrieben. Einzig auf dem ersten Stück des Radwegs von Hannoverisch Münden nach Bad Karlshafen weißt das Höhenprofil einige nennenswerte Steigungen auf. Da die mögliche Umfahrung dieser Steigungen größtenteils entlang einer Bundesstraße führt, haben wir uns dazu entschlossen, unsere Tour erst in Bad Karlhafen zu beginnen.
Die Rückfahrt nach Bad Karlshafen wollten wir mit dem Zug bewerkstelligen. Allerdings ist dies von Cuxhaven, wo der Zielort des Weserradwegs ist, nicht ganz so einfach. Unser Ziel war deshalb Bremerhafen. Durch diese beiden Änderungen verkürzte sich die geplante Strecke von 520 km auf ca. 430 km, welche wir in 8 Fahrtagen absolvieren wollten.
Vorbereitung
Wie sich schon bei unseren vergangenen Touren gezeigt hat, ist eine
gewissenhafte Vorbereitung einer Tour mit Rolli extrem wichtig. Speziell auf die
Übernachtungen haben wir diesmal großen Wert gelegt und Britta hat sich viel
Mühe bei der Auswahl der Hotels gegeben. Dies hat sich auch wirklich ausgezahlt
und so hatten wir in diesem Jahr fast ausschließlich einigermaßen rollitaugliche
Unterkünfte.
Ebenfalls im Vorfeld hatte Britta die Rückfahrt nach Bad Karlshafen per Bahn organisiert bzw. gebucht. Da wir auf der Rückfahrt 3 mal umsteigen mussten, waren wir doch einigermaßen besorgt, ob das den alles so klappen könnte. Es hat geklappt, dazu später mehr.
Wie schon bei den vergangenen Touren habe ich die Etappen Computer geplant und die Strecken und Hotels auf mein GPS-Gerät übertragen. So entfiel das allabendliche Suchen des Hotels. Auch die teilweise doch etwas mangelhafte Beschilderung des Radwegs ließ uns dank des Navis kalt.
Ausrüstung
Da sich unsere Ausrüstung bei den letzten Touren gut bewährt hat, haben wir eigentlich kaum Änderungen vorgenommen. Britta hat wieder ihren vollgummi-bereiften Meyra X2 in Kombination mit Ihrem Stricker Handbike SmartDrive benutzt. Zur Erweiterung der Reichweite hatten wir insgesamt 3 Satz Akkus (insgesamt also 6 Akkus a 6V/9Ah) dabei, wovon wir den 3. Satz aber nie brauchten. Um den allabendlichen Ladeprozeß der Akkus zu beschleunigen, haben wir uns dieses Mal ein zweites Ladegerät besorgt. So konnten wir 4 Akkus gleichzeitig aufladen und mussten nachts nicht zum umstöpseln aufstehen.
Ich war wieder mit meinem GT Zaskar Mountainbike unterwegs. Den Gepäcktransport bewerkstelligten wir wieder mit dem bewährten einspurigen Anhänger Bob Yak 16, welcher bis zur maximalen Zuladung von 34 kg beladen war (den Großteil des Gewichts stellten wieder die Akkus). Verpackt war alles, wie immer, in einer wasserdichten Ortlieb-Tasche. Zusätzlich hatte ich noch einen kleinen Rucksack für häufig benötigte Dinge (Kamera, Werkzeug, etc.) auf dem Rücken.
Anreise
Am 22.Juli 2006 ging’s also endlich los. Das Auto war schon am Vorabend weitgehend gepackt und so fuhren wir gegen 11:00 Uhr los nach Bad Karlshafen. Die Anfahrt verlief reibungslos und staufrei, obwohl an diesem Tag in 5 Bundesländern Ferienbeginn war. Nachdem wir die ca. 250 km hinter uns gebracht hatten, parkten wir das Auto am Bahnhof in Bad Karlshafen und machten uns fertig für die erste Etappe…
Erste
Etappe, 22.07.2006, von Bad Karlshafen nach Holzminden (39,5 km, 61 hm)
Gegen 14:00 Uhr waren wir dann endlich soweit, dass wir losfahren konnten. Zunächst auf der rechten Seite der Weser ging es Weser abwärts, bei strahlendem Sonnenschein und 35°C. Vor Beverungen mussten wir die Weser überqueren. Da dies per Fußgänger-Fähre mit dem Handbike und dem Fahrrad mit Anhänger ziemlich umständlich ist, haben wir uns für die Überquerung per Brücke entschieden. In Höxter haben wir in einem Eiskaffee die erste Rast eingelegt. Aufgrund der Hitze schmeckten Apfelschorle und Weißbier natürlich noch besser. Die letzten Kilometer nach Holzminden waren dann aber recht schnell absolviert und so erreichten wir unser Domizil, das Gasthaus „Hellers Krug“ in Holzminden gegen 17:00 Uhr. Nach dem Einchecken bezogen wir unser Zimmer im Nebengebäude. Unser Zimmer war im Erdgeschoß und barrierefrei zu befahren. Die Dusche war nicht befahrbar. Haltegriffe waren ebenfalls nicht vorhanden (Info: Zwischenzeitlich wurde das Hotel umfangreich renoviert. Es gibt jetzt breitere Türen und eine befahrbare Dusche, sowie eine behindertengerechte Toilette. Ausprobieren konnten wir die neuen Einrichtungen leider noch nicht).
Das Abendessen genossen wir in der urigen Gaststube im Hellers Krug. Nach einem Schnäpschen auf das Geleistete gingen wir zu Bett und waren froh, dass im Zimmer angenehme Temperaturen herrschten.
Zweite Etappe, 23.07.2006, von Holzminden nach Hessisch Oldendorf (68,6 km, 75 hm)
Das Frühstück im Heller Krug war sehr gut. Nach dem Auschecken und
Beladen des Anhängers ging es um 10:30 endlich los zur Königsetappe. Noch nie
zuvor hatten wir eine so lange Strecke gefahren, und so waren wir sehr gespannt,
ob alles wie geplant funktionieren würde. Die Strecke verlief heute den ganzen
Tag auf der rechten Weserseite.
Glücklicherweise war es zunächst etwas bewölkt, und so kamen wir recht schnell voran. Ab Bodenwerder, der Heimatstadt von Baron Münchhausen beglückte uns die Sonne wieder und so steigen die Temperaturen schnell auf über 35°C. Weiter ging’s nach Hameln. Kurz vor Hameln stand nach 45 km der erste Akkuwechsel. Das war unser persönlicher Rekord. Noch nie hatte ein Satz Akkus so lange gehalten, und so waren wir jetzt auch sicher, die Strecke bis Hessisch Oldendorf zu schaffen.
Unerträglich wurde langsam allerdings der Durst, uns so setzten wir uns in Hameln erst einmal in einen Biergarten, bevor wir uns auf Stadterkundung machten. Das Handbike, Fahrrad und Anhänger schlossen wir direkt am Biergarten ab und machten uns auf in die Altstadt.
Hameln hat eine sehr schöne Altstadt, die allerdings fast komplett mit
wenig rollifreundlichem Kopfsteinpflaster bestückt ist. Trotzdem ist die
Innenstadt natürlich eine Besichtigung wert. Die Hilfe eines Fußgängers ist aber
eine Erleichterung…
Weiter ging’s dann nach Hessisch Oldendorf. Unterwegs haben wir uns noch telefonisch bei meiner Schwester Andrea angemeldet, da wir bei ihr heute übernachten wollten. Andrea sollte uns mit dem Auto in Hessisch Oldendorf bei ihren Schwiegereltern Käthe und Rudi abholen. Dort wollten wir auch die Räder über Nacht deponieren.
Als wir bei Käthe und Rudi in Hessisch Oldendorf ankamen, wurden wir schon erwartet. Andrea war auch schon da. Nach einem kühlen Getränk auf der Terrasse sind wir mit Andrea dann nach Assmissen gefahren, wo Ehemann Ralf und die Kinder schon warteten.
Abends haben wir auf der Terrasse gegrillt. Ein kleiner Regen sorgte für etwas Abkühlung und so haben wir nach einem erlebnisreichen Tag gut geschlafen.
Dritte Etappe, 24.07.2006, von Hessisch Oldendorf nach Minden (62,4 km, 94 hm)
Nach ausgiebigem Frühstück bei Sonnenschein auf der Terrasse hat uns Andrea mit den Kindern wieder nach Hessisch Oldendorf zu unseren Fahrzeugen gebracht. Dort wurden wir von Käthe und Rudi erwartet und nach Beladen des Anhängers gebührend verabschiedet.
Auf dem Weg nach Rinteln haben wir entlang der Strecke einige Störche
gesichtet.
Um die Altstadt von Rinteln zu erkunden, haben wir unsere Habseligkeiten in der Fußgängerzone abgestellt und verschlossen und haben uns auf den Weg gemacht.
Vor Uffeln haben wir uns für eine alternative Wegführung entschieden, die nicht über die Höhen führt, sondern im Wesertal verbleibt. Diese führt zwar auf einer Autostraße, diese ist aber relativ wenig befahren und stellt somit auch kein Problem dar. In Uffeln trifft diese Umgehung wieder auf den offiziellen Weserradweg.
Weiter ging’s zur Porta Westfalica. Hier endet das Weserbergland und es beginnt die norddeutsche Tiefebene. Ein eindrucksvolles Denkmal von Kaiser Wilhelm bewacht den Durchbruch der Weser durch den Felsriegel des Weser Berglands. Viele Sagen und Geschichten ranken sich um die Porta Westfalica, wir waren aber ein wenig enttäuscht, da die Porta Westfalica lange nicht so eindrucksvoll wie z.B. der Donaudurchbruch ist, den wir letztes Jahr besuchten.
Direkt am Weserdurchbruch gönnten wir uns erst einmal eine Stärkung in
einem Biergarten. Die Rastmöglichkeiten entlang der Strecke sind hier relativ
dünn gesät, und außerdem sind montags viele Biergärten geschlossen (was wir auch
schon letztes Jahr an der Donau festgestellt hatten). Nach einem
Spinatpfannkuchen und kühlen Getränken fluppten die letzten paar Kilometer nach
Minden ganz gut. Etwas zu fix war Britta dann in Minden unterwegs. In einer
Baustelle war der provisorische Fahrbahnbelag recht uneben und so kippte Britta
mitsamt ihrem Gefährt um. Außer ein paar Kratzern am Ellebogen und Hand blieb
aber Gefährt und Besatzung weitestgehend intakt, und nachdem wir Brittas Gräten
wieder sortiert und in den Rolli verfrachtet hatten, machten wir uns auf zur
Stadtbesichtigung. Wie immer, Kopfsteinpflaster, soweit das Auge reicht. Aber
auch Minden hat eine schöne Altstadt. Nach dem obligatorischen Apfelschorle
fuhren wir dann weiter zu unserem Hotel. Dabei kamen wir am Wassersstraßenkreuz
Weser – Mittellandkanal vorbei. Hier führt der Mittellandkanal auf einer
eindrucksvollen Überführung über die Weser. Dieses Wasserstraßenkreuz ist das
Größte seiner Art in Europa. Die beiden Wasserstraßen sind mit einer
Schachtschleuse miteinander verbunden und so ist es möglich, die Schiffe 14
Höhenmeter von der Weser in den Mittellandkanal zu heben.
Nachdem wir das Bauwerk entsprechend bewundert hatten, haben wir im Parkhotel in Minden eingecheckt. Das Hotel liegt zwar etwas außerhalb von Minden und hat bestimmt auch schon bessere Zeiten gesehen. Das Zimmer war aber sauber und vor allem rollstuhlgerecht. Der Zugang zum Zimmer im Erdgeschoß ist barrierefrei und die sanitären Einrichtungen ebenfalls weitestgehend rollifreundlich, einschließlich einer befahrbaren Dusche.
Nachdem die Abendtoilette einschließlich Klamotten waschen erledigt war, machten wir uns auf den Weg, die Schachtschleuse und das Wassserstraßenkreuz erneut in Augenschein zu nehmen und danach nach etwas Essbarem Ausschau zu halten. Letzteres Ansinnen war allerdings nicht von Erfolg gekrönt und so nahmen wir unser Abendessen im Hotel ein. Das Restaurant machte zwar optisch keinen so tollen Eindruck, das Essen war aber in Ordnung. Müde ging’s dann zu Bett.
Vierte Etappe, 25.07.2006, von Minden nach Nienburg (59,9 km, 47 hm)
Nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir los, zunächst nach Petershagen.
Der Radweg verlief zunächst direkt an der Weser entlang, bis er kurz vor
Petershagen auf eine stillgelegte Bahntrasse abbiegt. Hier führt der Weserradweg
entlang des Mühlenradwegs und so kann man hier einige Windmühlen am Wegesrand
entdecken.
In Petershagen habe ich dann vergeblich versucht, eine Kopfbedeckung zu ergattern, da mir die Sonne in den letzten Tagen etwas zugesetzt hatte.
Von Petershagen führt der Radweg weiter auf der stillgelegten Bahntrasse. Über Felder und Wirtschaftswege mit teilweise recht übler Oberfläche fuhren wir vorbei an alten Scheunendörfern nach Nienburg, wo wir gut durchgeschüttelt ankamen.
Für
die Nacht hatte Britta die Weserkate in Nienburg gebucht. Der hübsche Altbau
befindet sich sehr zentral in der Altstadt, die Rückseite direkt zur Weser. Wir
haben auch gleich eingecheckt, da wir uns etwas sorgten, ob denn ein solcher
Altbau auch rollifreundlich sein kann. Entgegen unserer Erwartungen kamen wir
aber auch hier sehr gut zurecht. Das Zimmer war geräumig und nach etwas
Möbelrücken bot es auch genügend Platz für den Rolli. Zur Dusche ging’s zwar
über den Flur, aber sie war ebenfalls befahrbar und weitgehend rolligerecht.
Einzig die Stufe am Hauseingang könnte man bemängeln.
Beruhigt löschten wir nach dem Einchecken erst mal unseren Durst im nahe gelegenen Biergarten. Ein Stadtrundgang in Nienburg bestätigte den ersten Eindruck, dass es sich hier um eine sehr schmucke alte Stadt handelt. Endlich fand ich auch eine Kopfbedeckung…
Nach dem Duschen suchten wir nach einem Restaurant, das wir direkt an der Weser auch fanden. Wir haben glücklicherweise den letzten noch freien Tisch ergattert und genossen bei lauem Sommerwetter die tolle Aussicht auf die Weser und das sehr gute Essen im gemütlichen Ambiente. Den Rückweg dehnten wir etwas aus und gönnten uns in der Stadt noch einen kleinen Abendtrunk.
Fünfte Etappe, 26.07.2006, von Nienburg nach Verden (56,2 km, 55 hm)
Wieder lachte die Sonne schon zum Frühstück, welches wir auf der Terrasse
direkt an der Weser einnahmen. Danach wollten wir uns eigentlich direkt auf den
Weg machen, aber beim Anhängen der Akkus stellten wir fest, dass die schlechten
Wege vom Vortag Spuren an der Akku-Halterung hinterlassen haben: Eine davon hat
den Belastungen nicht stand gehalten und war schlicht gebrochen. Zum Glück
hatten wir auf unserem Stadtrundgang am Vorabend einen Fahrradladen entdeckt, zu
welchem wir uns auch gleich zwecks Ersatzteilbeschaffung aufmachten. Das
notwendige KlickFix-Teil war sogar vorrätig und mit einer Eisensäge recht
schnell passend gemacht. Also dann, anschrauben und losfahren…
Auch heute waren die Wege nicht besser als am Vortag, und die
Einkehrmöglichkeiten auch etwas knapp. Kurz vor dem Verdursten haben wir aber
noch einen Getränkeverkauf am Wegesrand entdeckt. Britta hatte wohl in der Nacht
nicht besonders gut geschlafen und war demzufolge sehr müde. So haben wir in
Bücken auf dem Dorfplatz Pause gemacht, wo Britta auf einer Bank eine Stunde
geschlafen hat. Ich habe währenddessen dem Bäcker nebenan seine kompletten
Apfelschorle-Reserven abgekauft. Danach habe ich den beeindruckenden Altar der
Kirche in Bücken angeschaut. Zudem war es in der alten Kirche angenehm kühl…
Nach Bücken wurden die Wege zunächst etwas besser. Die Hitze wurde aber immer unerträglicher, und so waren wir froh, als wir den Dom von Verden am Horizont auftauchen sahen. In Verden sind wir dann direkt zum Hotel gefahren, welches ca. 3 km außerhalb liegt. Der Niedersachsenhof kann ebenfalls getrost als rollitauglich mit allem, was dazugehört, bezeichnet werden, ist aber relativ teuer. Verden gilt als die Stadt der Pferde und so verwundert der immer präsente Geruch nach Pferdemist, der wie eine Glocke über der Stadt liegt, nur im ersten Moment.
Nach
dem Duschen haben wir uns erst einmal ein Stündchen hingelegt, bevor wir die
Pferde nochmals sattelten, um mit dem Fahrrad bzw. Handbike in die City zu
düsen. Die Anstrengungen des Tages wurden nach einer Stadtbesichtigung mit einem
guten Essen in der Domschänke belohnt.
Als wir zurück zum Hotel fuhren, wurde es schon langsam dunkel. Zufrieden vielen wir am Abend ins Bett und schliefen recht gut bis zum nächsten morgen.
Sechste Etappe, 27.07.2006, von Verden nach Bremen (56,2 km, 55 hm)
Schon am morgen schien wieder die Sonne und so frühstückten wir wieder im Freien. Um 10:15 ging’s dann los und wir bahnten uns unseren Weg durch die vielen Baustellen in Verden bis zum Schleusenkanal. Leider sieht man von diesem nicht besonders viel, da zwischen Kanal und Radweg ein Damm verläuft.
In Thedinghausen an der Eyter legte Britta wieder ein Mittagsschläfchen ein, während ich die umliegenden Tankstellen nach kühlen Getränken absuchte.
Weiter fuhren wir entlang der Weser nach Baden, wo wir an einer kurzen, aber steilen Rampe wieder mal die Traktionsgrenzen des Front getriebenen Handbikes erfuhren. Mit vereinten Kräften haben wir’s dann aber doch geschafft und weiter ging die Strecke nach Achim. Mittlerweile zogen dicke Wolken am Himmel auf und verhießen nichts Gutes für die letzten Kilometer. Ca. 10 km vor Bremen öffnete dann der Himmel die Schleusen und es regnete in Strömen. Zunächst stellten wir uns noch unter einer Brücke unter, dann aber ergaben wir uns in unser Schicksal und ließen uns nass regnen.
Dank GPS war unser Hotel, das Ibis in Bremen, schnell gefunden. Übermäßig
begeistert schien man dort ob unseres triefenden Equipments nicht zu sein, man
ließ sich aber nichts anmerken. Fahrrad und Handbike wurden in der Tiefgarage
verstaut und zum ersten Mal mussten wir den Rollstuhl duschen. Das Zimmer selbst
war, speziell betreffend der Sanitären Anlagen wieder rollifreundlich, wenn auch
relativ klein. Nach dem Duschen machten wir uns gespannt auf Entdeckungsreise in
die Stadt. Mittlerweile hatte es wieder aufgehört zu regnen. Rathaus, Roland und
Bremer Stadtmusikanten standen auf dem Programm, bevor wir die Weserpromenade
Schlachte, die bekannte Fressmeile von Bremen, direkt am Ufer der Weser
aufsuchten. Schon am Tag zuvor hatte Britta sich ein spanisches Restaurant
namens Bodega in einem Prospekt ausgesucht und dort fanden wir auch einen Tisch.
Nach elend langer Zeit und einigem Drängen ließ sich auch jemand herab, unsere
Bestellung aufzunehmen. Ein paar Tapas haben wir bestellt, welche aber nach 45
Minuten noch immer nicht da waren. Ziemlich sauer beschlossen wir, die Getränke
zu bezahlen und zu gehen. Gerade als wir bezahlt hatten, kamen die Tapas
(spanisches Fastfood). Zu spät… wir waren schon sauer. Alternativ haben wir uns
dann auf die Suche nach einem anderen Restaurant gemacht und haben dabei
festgestellt, dass die viel gerühmte Weserpromenade Schlachte zumeist aus schnöden
Biergärten besteht und zudem auch nicht übertrieben lang ist. Insgesamt gesehen
also kulinarisch ein Flop und definitiv kein Highlight unserer Reise.
Fündig geworden sind wir dann vor dem Rathaus in einer Art Brauhaus der örtlichen Becks-Brauerei. Das Essen war denn auch so ähnlich wie das Bier dieser Brauerei: Man kann es schon runter gekommen, wenn nichts anderes da ist. Was Berühmtes ist’s aber nicht… Trotzdem, die Aussicht auf den Roland und das Rathaus hatte schon seinen Flair und den restlichen Frust haben wir bei einem Glas Wein im Hotel runtergespült.
Siebte Etappe, 28.07.2006, von Bremen nach Elsfleth (43,4 km, 45 hm)
Da man bei den Ibis-Hotels das Frühstück extra bezahlen muß, haben wir
beschlossen, in der Stadt zu Frühstücken, was eine gute Entscheidung war. Das
Frühstück bei ALEX war gut und günstig. Wir saßen im Freien, waren aber
angesichts des Regens dankbar für die Überdachung.
Nach dem Frühstück hörte es glücklicherweise wieder auf zu regnen. Da wir uns für die nächste Übernachtung bei Bärbel und Matthias in Elsfleth eingenistet haben, machten wir uns nun auf, ein kleines Präsent zu besorgen. Danach ging’s endlich los, zunächst durch die apokalyptisch anmutende Industrielandschaft von Bremen. Erleichtert, diese unwirtliche Landschaft endlich hinter uns gelassen zu haben, fuhren wir dann entlang der Hunte durch langsam wieder grüner werdende Landschaften. Da in unserem Führer (Bikeline) die Eisenbahnbrücke vor Elsfleth als eng und für Gespanne unpassierbar beschreiben war, entschlossen wir uns, die Alternativroute über die Huntesperre zu nehmen. Leider ist diese allerdings nur zur vollen Stunde jeweils für ein paar Minuten passierbar, die restliche Zeit hat die Schifffahrt Vorrang. Wir kamen um 15:05 Uhr dort an und sahen gerade noch, wie die Brücke hochgeklappt wurde. Also hieß es für uns: warten.
Nach
einer Stunde endlich konnten wir die Hunte überqueren und schon ein paar Minuten
später kamen wir bei Brittas Freundin Bärbel in Elsfleth an. Bärbels Mann
Mathias war noch dienstlich unterwegs und so gönnten wir uns erst einmal ein
Begrüßungs-Getränk, bevor ich mich ans Grillanzünden machte, während die Mädels
die Salate vorbereiteten. Mittlerweile war auch Matthias angekommen und so
verbrachten wir einen gemütlichen Grillabend. Nach dem Essen gab’s eine
Stadtführung von Bärbel. Besonders die recht außergewöhnliche Hakenkirche St.
Nicolai war interessant. Leider war diese verschlossen und wir konnten uns das
Bauwerk nur von außen ansehen.
Nach unserem Spaziergang gab’s noch ein Gläschen bei den Nachbarn, bevor wir müde ins Bett gingen.
Achte
Etappe, 29.07.2006, von Elsfleth nach Bremerhafen (41,1 km, 38 hm)
Bärbel hatte schon ein üppiges Frühstück vorbereitet, als wir heute
früher als sonst aufgestanden sind. Und wirklich, schon gegen 09:00 Uhr waren
wir abfahrtbereit. Zunächst ging es entlang der Weser auf ausnahmsweise recht
guten Wegen nach Brake. Der Weg von Brake zur Weserfähre in Blexen gibt leider
recht wenig Gelegenheit, die Weser zu sehen, da er entweder weit entfernt von
der Weser verläuft oder durch einen Deich von dieser getrennt ist.
Die Weserfähre in Blexen verkehrt alle 20 Minuten und wir hatten diesmal Glück und konnten ohne anzuhalten auf die Fähre rollen. Gleich danach ging es auch schon los. Rollstuhlfahrer mit dem Eintrag „aG“ im Ausweis fahren übrigens gratis, genauso wie eine Begleitperson samt Fahrrad. Von der Weserfähre hat man außerdem auch einen schönen Blick auf das Wahrzeichen von Bremerhafen, die riesigen Verladekräne.
Drüben angekommen sind wir gleich zum Bahnhof gefahren, weil unsere Rückreise noch an diesem Tag stattfinden sollte.
Die Rückreise…
… machte uns schon ein paar Bauchschmerzen. Erstens ist Britta seit ihrem Unfall noch nie mit der Bahn gefahren und wir wussten nicht so genau, wie das so funktioniert und zum zweiten war da noch das Handbike, mein Fahrrad, der Anhänger und die bleischwere Tasche zu verarzten. Der Reiseplan zeigte außerdem, dass wir 4 verschiedene Züge nutzen mussten, also dreimal umsteigen angesagt war. Zudem war einer der geplanten Anschlüsse recht knapp geplant. Kurz und gut, es gab genügend Anlass zur Sorge… Britta hatte deshalb schon von zuhause aus die Verbindungen, wo möglich, reserviert und die Umsteigehilfe der DB gebucht. Trotzdem beschlossen wir, von Bremerhafen nach Bremen eine Stunde früher als ursprünglich geplant zu fahren, um in Bremen mehr Zeit zum Umsteigen zu haben.
Wir haben also im DB Reisezentrum in Bremerhafen den Umsteigeservice entsprechend umgebucht und das Einsteigen hat, per mobiler Hubrampe, super geklappt. Der Bahnbeamte, der uns behilflich war, hat auch gleich in Bremen angerufen und seine Kollegen dort von unserer Ankunft informiert. So stand in Bremen auch schon jemand bereit und hat uns abgeholt. Ebenso ging das dann in Hannover und in Göttingen, und ich musste mich nur um Gepäck und Fahrrad kümmern, während Britta von den Bahnbeamten verarztet wurde. Eine wirklich tolle Sache der Bahn und mindestens ein dickes Lob wert.
In Bad Karlshafen kamen wir dann planmäßig um 19:00 Uhr an. Dort gab es zwar keinen Umsteigeservice, aber der Lokführer der Bimmelbahn hat uns beim Aussteigen geholfen.
Unser Auto stand auch noch da und nach dem Verladen des Gepäcks machten wir uns auf die Rückreise nach Overath, wo wir gegen 22:00 Uhr ankamen.
Fazit
Das war wieder eine tolle und erlebnisreiche Tour. Auch das Wetter hat mitgespielt und zum Gelingen beigetragen. Die Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs waren allesamt weitestgehend rollifreundlich. Landschaftlich ist die Strecke bis zur Porta Westfalica sehr abwechslungsreich. In der norddeutschen Tiefebene ist das Landschaftsbild dann etwas eintönig. Oft bewegt man sich zudem weit von der Weser entfernt auf Wirtschaftswegen oder hinter dem Deich und bekommt die Weser über lange Strecken nicht zu sehen.
Die Beschilderung des Radwegs ist zwar grundsätzlich vorhanden, aber an manchen wichtigen Abzweigen fehlen schlicht Schilder. Zudem ist die Beschilderung nicht einheitlich.
Was die Qualität der Wege angeht, muß man sagen, dass diese stellenweise sehr schlecht ist. Teilweise trüben grobes Kopfsteinpflaster oder mangelhaft verlegte Betonplatten den Fahrspaß zumindest bei Rollipiloten deutlich.
Nennenswerte Steigungen gibt’s entlang der Strecke nur eine, welche wir am 3. Tag aber umfahren haben.
Die Rückreise per Bahn war dank des gebuchten Umsteigeservice problemlos. Nochmals ein Kompliment an die Deutsche Bahn…
Das Höhenprofil
Die nackten Zahlen
Datum |
Startort |
Zielort |
Kilometer |
Höhenmeter |
Fahrzeit |
22.07.2006 |
Bad Karlshafen |
Holzminden |
39,5 |
61 |
2:11 |
23.07.2006 |
Holzminden |
Hessisch Oldendorf |
68,6 |
75 |
3:50 |
24.07.2006 |
Hessisch Oldendorf |
Minden |
62,4 |
94 |
3:35 |
25.07.2006 |
Minden |
Nienburg |
59,9 |
47 |
3:28 |
26.07.2006 |
Nienburg |
Verden |
56,2 |
55 |
3:18 |
27.07.2006 |
Verden |
Bremen |
58,8 |
42 |
3:25 |
28.07.2006 |
Bremen |
Elsfleth |
43,4 |
45 |
2:42 |
29.07.2006 |
Elsfleth |
Bremerhaven |
41,1 |
38 |
2:33 |
|
|
|
429,8 |
457 |
|
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