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Transalp 2007
3.09.-9.9.2007
Oberstdorf nach Riva
497 km, 10769 hm, 7 Etappen
GPS-Daten zum downloaden
Vorbereitung, Anreise, Crew
Nachdem
wir alle Terminprobleme ausgeräumt hatten, haben wir uns für unsere diesjährige
Transalp auf einen Termin Anfang September geeinigt. In Anbetracht der
Wetterlage etwas spät im Jahr, wie sich im Laufe der Tour zeigen sollte.
Für dieses
Jahr konnten sich 4 Figuren für den Alpencross motivieren. In letzter Minute gab
auch Dirks Arzt grünes Licht, und so machten sich unser Senior Gunther Frank,
Dirk Schmitz, Jürgen Alfred Wawer und ich, Gerd Wittmacher, am 2.9.2007 auf nach
Oberstdorf, von wo wir dieses Jahr wieder starten wollten.

Wie in den
vergangenen Jahren haben wir die Strecke wieder in Anlehnung an die vom DAV
Summit Club durchgeführte Transalp gestaltet. Allerdings haben wir der
Bequemlichkeit wegen die Etappen anders eingeteilt, da wir, alle in gesetztem
Alter, gerne auf die Unannehmlichkeiten von Hüttenübernachtungen verzichten
wollten und ein bequemes Hotelzimmer bevorzugen.
Die
Anreise gestaltete sich relativ problemlos und so trafen wir uns alle im
Gästehaus Thomas in Oberstdorf, wo wir schon vor zwei Jahren vor unserer Tour
nächtigten. Nachdem wir alle die Fahrräder ausgeladen und unsere Zimmer bezogen
hatten, trafen wir uns noch kurz zur Streckenbesprechung für den nächsten Tag.
Nachdem wir beschlossen, die Diskussionen über eine hundekot-kontaminierte
Fußmatte in Dirks Auto für den Abend ruhen zu lassen, konzentrierten wir uns auf
die wirklich wichtigen Dinge und machten uns auf zur Nahrungssuche in die Stadt.
Auch hier verließen wir uns auf die guten Erfahrungen, die wir zwei Jahre zuvor
gemacht hatten. Das eine oder andere Bierchen wurde zwecks Verlängerung der
Tiefschlafphase noch inhaliert, bevor wir uns auf den Rückweg begaben.
1. Etappe, 3.9.2007, von
Oberstdorf nach Dalaas
Zu nachtschlafender Zeit trafen
wir uns, relativ ausgeruht, um 08:30 Uhr zum reichhaltigen Frühstück. Das Wetter
meinte es gut mit uns, und so stiegen wir, nachdem wir die Autos noch in der
Tiefgarage des Gästehauses geparkt hatten (vielen Dank noch mal, dass wir die
Fahrzeuge dort wohlbehütet für die Woche abstellen durften) bei Sonnenschein
aufs Fahrrad. Zunächst stand der Schrofenpass auf dem Programm, wohl DER
Klassiker, wenn von Oberstdorf gestartet wird. Die Auffahrt zum Pass beginnt
zunächst gemächlich auf Asphalt entlang der Stillach, bevor der Weg steiler
wird. An der Haldewanger-Alm beginnt dann eine Schiebe-Passage, die teilweise
etwas ausgesetzt über die wohl meistphotographierte Hühnerleiter in den Alpen
führt. Oben angekommen machten wir noch ein Gruppenfoto. Die Abfahrt nach Lech
beginnt zunächst etwas knifflig, wird dann aber breiter und gut fahrbar. Unter
apokalyptischem Getöse meiner Felgenbremse (Felgen reinigen mit Bremsenreiniger
ist keine gute Idee…) ging's flott bergab. In Lech trennten wir uns von Dirk,
dessen Kreuz sich schmerzhaft zu Wort meldete. Dirk nahm die Straße nach
Klösterle, wo wir uns später an der Kirche wieder treffen wollten. Wir anderen
drei nahmen die Auffahrt Richtung Spuller See. Diese ist fast durchweg
asphaltiert, teilweise jedoch recht steil. Am See angelangt sammelten wir uns
zur gemeinsamen Single-Trial-Abfahrt nach Klösterle. Die Abfahrt machte wirklich
Laune. Unten angekommen bogen wir links auf einen Wirtschaftsweg nach Klösterle
ab, um uns mit Dirk zu treffen. In Klösterle versuchten wir dem
Touristen-Info-Automaten eine brauchbare Unterkunft für die Nacht zu entlocken.
Zwei oder drei erfolglose Anrufe (einige der Herren bestanden auf eine
funktionierende Sauna) veranlassten uns aber dazu, weiter nach Dalaas zu fahren.
Dort sind Gunther und ich vor ein paar Jahren schon einmal in der Alten Post
abgestiegen und hatten dort gute Erfahrungen gemacht. Zwar gab es dort auch
keine Sauna, aber zumindest war das Essen dort in Ordnung. Glücklicherweise
waren dort auch noch zwei Doppelzimmer zu ergattern, und nach dem Duschen und
Wäsche-Waschen machten wir regen Gebrauch von der Hotelküche. Ein paar Weinchen
halfen uns über die Schmerzen des Tages und vertrieben die Sorgen über das
Wetter. Zwischenzeitlich hatte es nämlich zu Regnen begonnen und die
Wettervorhersage für die nächsten Tage verhieß nicht viel Gutes. Weinselig und
voll gefressen nächtigten wir trotzdem, abgesehen von ein paar Schnarchanfällen
der Zimmergenossen, friedlich.

2.
Etappe, 4.9.2007, von Dalaas nach Galtür
Schon vor dem Aufstehen
registrierten wir durch das offene Fenster den Regen. Noch schlimmer: Die
Schneefallgrenze sollte auf 1000 m sinken. So sinnierten wir während des
reichhaltigen Frühstücks über mögliche Alternativen. Geplant hatten wir, über
den Kristberg-Sattel zu fahren und von dort über das Silbertaler Winterjöchle
und die Heilbronner Hütte nach Galtür zu fahren. Nach einigen Diskussionen mit
dem Hotelwirt entschlossen wir uns zähneknirschend, das Silbertal und die
Heilbronner Hütte nicht anzufahren, sondern über den Kristberg-Sattel, die
Silveretta-Hochalpen-straße und einen kleinen Wirtschaftsweg hoch zum
Kops-Stausee und von dort nach Galtür zu fahren. Schade eigentlich, denn das
Silbertal wäre landschaftlich ein Highlight der Tour gewesen.
Die
Auffahrt zum Kristberg-Sattel verläuft zunächst auf asphaltiertem, dann auf
geschottertem Wirtschaftsweg und war auch bei mittlerweile stärker werdendem
Regen durchweg gut fahrbar. Oben angekommen, stellten wir uns erst einmal an
einem Liftgebäude unter und beobachteten, wie sich bei schattigen 3°C die eine
oder andere Schneeflocke unter den Regen mischte. Nix wie runter ins Tal. Der
asphaltierte Wirtschaftsweg führte uns hinunter nach Silbertal, wo wir auf die
Silveretta-Hochalpen-Straße trafen. Dieser folgten wir bergan bis zur
Mautstelle. Die Suche nach einem Gasthaus zwecks Erwerbs eines wärmenden
Heißgetränks verlief erfolglos, und so bogen wir in der zweiten Kehre nach der
Mautstelle links ab auf einen Wirtschaftsweg, der uns zunächst flach und
asphaltiert Richtung Kops-Stausee führte. Nach ein paar Kilometern taleinwärts
erblickten wir hoch über uns die Staumauer. Der Weg wurde nun steiler und führte
uns bei heftiger werdendem Schneefall auf geschottertem Wirtschaftsweg durch
Kiesgruben-Romantik hinauf zum Stausee. Das Warten zum Sammeln gestaltete sich
hier ziemlich schmerzhaft, da die schweißnassen Klamotten zusammen mit der
beißenden Kälte und dem starken Schneefall eine recht ungemütliche Kombination
darstellten. Zum Aufwärmen radelten wir deshalb fast höhengleich zum Restaurant
am Zeinis-Joch, wo wir uns eine heiße Suppe gönnten, bevor wir uns aufgewärmt
auf die Abfahrt nach Galtür begaben. Jürgen Alfred war dort schon einmal beim
Skifahren und führte uns ins Hotel Landle. Dort gab's noch zwei Doppelzimmer für
uns. Sogar die Sauna wurde eigens angeheizt, und nach einer heißen Dusche und
dem obligatorischen Wäsche waschen machten sich ¾ der Truppe auf in die Sauna.
Ich nutzte die Zeit angesichts der sich anbahnenden Fressorgie lieber für ein
kleines Nickerchen. Das reichliche Abendessen nahmen wir im Hotel ein und waren
nach den mittlerweile traditionellen abschließenden Schinkenplatten gut
gesättigt. Der Wirt war uns bei der Suche nach einer Alternative für den
nächsten Tag behilflich. Mittlerweile schneite es nämlich draußen heftig und die
Landschaft verwandelte sich zusehends in ein märchenhaftes Wintersport-Paradies.

3.
Etappe, 5.9.2007, von Galtür nach Ramosch
Der
Schneefall hielt die Nacht über an und so begrüßte uns der neue Tag mit einer
beeindruckenden Neuschneedecke. Entsprechend verhalten war unser Drang, uns nach
dem Frühstück auf den Sattel zu schwingen. Eigentlich wollten wir heute über die
Heidelberger Hütte und den Fimberpass nach Ramosch radeln. Angesichts der
Wetterlage mussten wir aber wieder umdisponieren und schoben eine Straßenetappe
ein. Also radelten wir zunächst bei Schneefall bzw. Schneeregen bergab nach
Landeck. Bereits nach wenigen Minuten waren unsere mühsam getrockneten Latschen
wieder komplett durchweicht und entsprechend froren wir. In Landeck bogen wir
auf Anraten des Landle-Wirts am Hotel Schwarzer Adler rechts ab auf einen wenig
befahrenen Wirtschaftsweg und machten uns auf der alten Via Claudia bergauf
Richtung Pfunds. Ein Radfahr-Verbotsschild nach einigen Kilometern ignorierten
wir geflissentlich, was sich aber im Nachhinein als Fehler erweisen sollte. Die
Via Claudia wurde immer schmaler und so beschlossen wir nach ein paar Kilometern
umzudrehen und in Ried den Inn zu überqueren. Dort gönnten wir uns ein wärmendes
Süppchen beim mafiagesponserten Italiener, bevor wir auf dem Inntal-Radweg
weiter nach Ramosch fuhren. Der Weg geht ständig
leicht bergan. Der Landle-Wirt empfahl uns, anstatt in Ramosch in Sent zu
nächtigen. Die 200 hm wollten wir uns aber ersparen, und so quartierten wir uns
in der Pension Bella Vista in einem mehr oder weniger gemütlichen 4-Bett-Zimmer
mit Etagendusche ein. Wäsche waschen und Duschen as usual. Noch die Schuhe mit
Zeitungspapier ausgestopft und dann war's auch schon Zeit zum Essen. Auch hier
haben wir uns nicht lumpen lassen und speisten zur Frustkompensation ob des
lausigen Wetters exzessiv. Das Wetter besserte sich allerdings allmählich und
die Aussichten für den nächsten Tag waren recht ansprechend. Die Stimmung an
diesem Abend war zwar nicht besonders ausgelassen, zumal auch der Wirt nicht
besonders redselig war, trotzdem schafften wir es, die Nachtruhe des Wirts durch
ausdauerndes Weintrinken und Kartenspielen signifikant zu verkürzen. Erleichtert
registrierte der Wirt ein paar Stunden später (mittlerweile im nicht besonders
erotischen Nachtgewand), dass wir aufgaben und uns ebenfalls zur Nachtruhe
begaben, während er den Frühstücktisch für den nächsten Morgen vorbereitete.
Trotz des mittlerweile durchaus beeindruckenden Gestanks im Nachtlager,
emittiert von unseren offensichtlich doch noch etwas muffelnden Klamotten,
schliefen wir durch bis zum nächsten Tag.

4.
Etappe, 6.9.2007, von Ramosch nach Tscherms
Überraschenderweise erlag keiner der Teilnehmer über Nacht dem Erstickungstod.
Durch die Schaufensterscheiben unseres Luxuszimmers (war wohl früher eine Art
Einzelhandels-Laden) erspähten wir sogar die Sonne, und so mussten wir heute
keine Klimmzüge betreffend der Streckengestaltung unternehmen. Das Frühstück
war, wie in der Schweiz üblich, lausig. Dafür war die Unterkunft auch nicht
besonders billig. Egal, heute stand zunächst das Val d´Uina auf dem Programm.
Dieser Übergang steht schon seit Jahren auf meiner Wunschliste, und so war ich
froh, dass es dieses Mal endlich klappte. Die Auffahrt von Sur En verläuft
zunächst gut fahrbar auf Forstwegen, dann immer steiler werdend, auf schmalem
Single Trial. Mit steigender Höhe wurde es immer schattiger, aber der Anblick
des in den Fels gehauenen Wegs durch die Uina-Schlucht und die Vorfreude auf
diesen Weg half uns über die Kälte hinweg. Die Schlucht ist zweifellos ein
Highlight der Tour. Zwar lag auch hier Schnee von den vergangenen Schneefällen,
aber 360 Paar Laufschuhe in Form eines TransAlpine-Laufs, der kurz vor uns durch
die Schlucht ging, ermöglichten uns ein gefahrloses bezwingen des
eindrucksvollen Wegs. Oben angekommen fanden wir das Hochplateau schneebedeckt
vor. Bis zur Sesvenna-Hütte war es aber nicht mehr weit. Dort wärmten wir uns
mit einem Süppchen auf, bevor wir die steile, aber fahrbare Abfahrt ins
Vinschgau in Angriff nahmen. Der eiskalte Wind hatte
mittlerweile fast Orkanstärke erreicht, kam aber glücklicherweise von hinten.
Schon nach ein paar hundert Metern Abfahrt forderte die Völlerei der letzten
Tage ihren Tribut. Der Vorderreifen an Gunthers Rad konnte dem immensen
Bremsmoment nicht standhalten und fing an, auf der Felge zu wandern –
Ventilabriss – Reifen flicken unter arktischen Bedingungen. Mit halb
abgefrorenen Extremitäten ging's nach ein paar Minuten weiter abwärts. Einige
Stopps und besorgte Blicke auf die Ventilstellung an den Laufrädern später
erreichten wir den Vinschgau-Radweg, auf dem wir zunächst weiter Richtung Meran
entlang der Etsch radelten. Der Wind hatte mittlerweile noch an Stärke zugelegt
und blies uns förmlich aus dem Tal. Der Radweg führte uns erst achterbahn-mäßig
hinunter zur Etsch und dann durch Obstplantagen, fast durchgängig mit guter
Asphaltdecke etschabwärts. Der starke Wind fegte auch die letzten Wolken vom
Himmel und die Sonne wärmte unsere durchgefrorenen Astral-Körper. In Latsch
gönnten wir uns einen Kaffee, während Gunther in einem Radladen Ersatz für den
geplatzten Schlauch erstand. An der Brauerei in Forst bogen wir dann rechts von
der Hauptstraße ab und fuhren nach Tscherms. Dort bemühten wir die
Touristen-Info und ergatterten zwei Doppelzimmer im Schlosshotel (der Name macht
mehr her als das Hotel). Freundlicherweise durften wir unsere versifften Räder
vor dem Hotel noch kurz abduschen, bevor wir uns der Körperpflege und dem
Klamotten waschen widmeten.
Da die
Hotelküche nichts Gutes versprach, beschlossen wir, die örtliche Pizzeria mit
unserer Anwesenheit zu beehren. Der Laden war brechend voll, aber nach einem
Warte-Bierchen an der Theke erkannte das Personal, dass man uns so schnell
sowieso nicht loswerden würde. Also wies man uns einen passenden Tisch zu. Mit
Spagetti und Mafia-Torte füllten wir unsere Kohlenhydrat-Speicher für den
nächsten Tag. Der Hauswein war ebenfalls recht passabel, und so bewiesen wir,
dass man sich auch ohne Frust der Völlerei hingeben kann.
Zurück im
Hotel betteten wir uns zufrieden mit dem heutigen Tag zur Nachtruhe.

5.
Etappe, 7.9.2007, von Tscherms nach Male
Für heute stand die Königsetappe
auf dem Programm. Über 2000 hm am Stück. Der Sonnenschein und das passable
Frühstück dienten zur Motivations-Steigerung und so ging’s zunächst auf Straße
hinauf nach St. Gertraud. Die Strecke zieht sich über 1000 hm und gut 30 km.
Bergauf gab es ausreichend Möglichkeit, die Kräfte mit den zahlreichen
Rennradlern zu messen. Besonders eine schnittige Blondine auf einem rassigen
Renner hatte es dem einen oder anderen angetan. Angesichts unseres mittlerweile
schon fast toxischen Körpergeruchs waren aber leider sämtliche Versuche eines
Gesprächs erfolglos. In St. Gertraud sammelten wir uns wie vorher verabredet in
einem Restaurant bei einem Süppchen und einem Hektoliter Apfelschorle, um Kräfte
für die Überquerung des Rabbi-Jochs zu sammeln. Nochmals 1000 Höhenmeter standen
an. Zunächst auf steiler Asphaltstraße, dann auf einem geschottertem
Wirtschaftsweg geht es stets fahrbar bis zur Bärhap-Alm. Von dort geht’s nur
noch schiebenderweise ca. 200 hm weiter aufs Joch. Dort war wieder Sammeln
angesagt, bevor wir bei Sonnenschein die kurze Abfahrt zur Haselgruber Hütte
ebenfalls schiebenderweise bewältigten. Dort gab's noch mal eine kurze Stärkung
für die teilweise recht knifflige Abfahrt nach Male. Die Abfahrt quert zunächst
gut fahrbar auf einem Single-Trial eine Almwiese, bevor der Trial mehr und mehr
in die Falllinie einschwenkt und steil bergab führt. Erschwert wird die Abfahrt
durch die als Errosionsbremse quer zum Trial verlaufende Holzbalken, die das
Vorderrad permanent zum blockieren einladen. Trotzdem war der Trial zu einem
großen Teil auch für uns Bewegungs- Legastheniker fahrbar. Nach einigen hundert
Höhenmeter trifft der Trial auf einen Wirtschaftsweg. Einzig die Sorge um
abreisende Ventile bremste unseren Abwärtsdrang, und so ging's mit hoher
Geschwindigkeit (für die entsprechende Hangabtriebskraft hatten wir ja in den
Vortagen gesorgt) hinunter nach Male. Die letzten 10 Kilometer nach Male
bewältigten wir im Tiefflug auf Straße. Ein entsprechendes Hotel in Male war
schnell gefunden. Das Hotel Henriette schien unseren Ansprüchen gerecht zu
werden. Zwei Doppelzimmer mit Balkon wurden schnell bezogen. Der Wäschetrockner
auf dem Balkon half, die Luftqualität im Raum erträglich zu halten. Nach dem
Duschen ging's los zur Stadterkundung und Nahrungsaufnahme. Obwohl uns
eigentlich nicht der Sinn nach Mafiatorte stand, fanden wir uns mangels
Alternative nach einiger Latscherei auf teilweise unpassender Besohlung doch in
einer Pizzeria wieder, wo wir die Kohlenhydratspeicher diesmal in etwas
vernünftigerer Dosierung auffüllten. Müde schlenderten wir nach dem Mahl zurück
ins Hotel und betteten uns zur Nachtruhe.

6.
Etappe, 8.9.2007, von Male nach Stenico
Schon wieder Sonnenschein, und
die Temperaturen waren langsam auch sommerlich. Das Frühstück war ratz-fatz
inhaliert und wir kamen nach dem Auschecken zeitig los. Zunächst auf Straße
Richtung Dimaro, dann auf Schotter, immer dem Mountainbike-Schild folgend nach
Madonna di Campiglio. Der Weg steigt stetig sanft an und ist durchweg fahrbar.
Einige Ausblicke auf das beeindruckende Massiv der Brenta halfen Dirk nur
ungenügend über seine Rückenschmerzen, und so trennten wir uns kurz vor Madonna
di Campiglio. Dirk wollte auf Straße nach Stenico radeln, während wir uns durch
das schöne Val d´Agola und über den Passo Bregn D´Ors über die Ausläufer der
Brenta quälen wollten. In Madonna di Campiglio allerdings sahen wir Dirk in
einem Straßencafe sitzen und konnten der Versuchung nicht widerstehen, uns
dazuzusetzen und bei warmem Sonnenschein einen Kaffee bzw. ein paar Apfelschorle
zu genießen. Gesellschaft dabei leistete uns ein Straßenköter, den
offensichtlich der Gestank aus unseren Rucksäcken nicht störte. Gestärkt fuhren
wir weiter. Ein Single Trial brachte uns ins Val D´Agola, welches sanft aufwärts
zum schön gelegenen Lago D´Agola führt. Der idyllisch am Fuße der Brenta
gelegene Bergsee lädt zum Verweilen ein. Nach ein paar Minuten Pause mit
Foto-Session ging's weiter entlang des Sees, bis der Weg zum Passo Bregn D´Ors
recht steil ansteigend und ziemlich verblockt abbiegt. Ab hier ist 30 Minuten
Schieben angesagt. Mittlerweile hatte sich unter sämtlichen Mückenschwärmen
Norditaliens herumgesprochen, dass ein paar bekloppte Biker in der Brenta
unterwegs sind und der Gestank aus ihren Rucksäcken ein fürstliches Mahl
versprach. Dementsprechend war der Andrang der lästigen Viecher und wir waren
froh, die Biester auf der rasanten Abfahrt abschütteln zu können. Zunächst auf
Single Trial bis zur Malga Movlina, dann auf geschotterter Fahrstraße ging's
durch das schattige Val Stenico flott abwärts. Ein kleiner Zwischenstopp im Tal
zur Getränkeaufnahme, und weiter ging's abwärts. Nach einigen Kilometern auf der
mittlerweile geteerten Straße stellten wir in einer Kurve überrascht fest, dass
auf dieser Straße durchaus mit motorisiertem Gegenverkehr zu rechnen ist. Nun
etwas vorsichtiger fuhren wir weiter abwärts, bis wir auf die schöne Höhenstraße
trafen, die hoch über dem Tal des Lago Serbatoio Ponte Pia nach Stenico führt.
Schon von weitem ist das Castello von Stenico sichtbar. In Stenico angekommen,
trafen wir Dirk wieder, der schon seit zwei Stunden im Straßencafe des kleinen
Nestes saß, und mittlerweile alle Interna der recht überschaubaren Gemeinde
verinnerlicht hatte. Wir gesellten uns kurz zu ihm und beratschlagten das
weitere Vorgehen. Schnell einigten wir uns mit Hilfe der recht hübschen
Bedienung, dass das Albergo am Fuße des Castello ein geeignetes Nachtquartier
böte. Wir quartierten uns dort ein und brachten schnell unsere abendlichen
Pflichten betreffend Klamottenwäsche und Duschen hinter uns. Eine kurze
Ruhepause in den altersschwachen Betten führte in Jürgens Fall zum Kollaps des
Bettgestells und so konnte Jürgen seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis
stellen, indem der das Gerippe wieder zusammensetzte.
Ein
Insider-Tipp betreffend eines passenden Restaurants zur Nahrungsaufnahme erwies
sich als falsch, was wir aber erst nach einem längeren Fußmarsch durch die
Prärie unter Angriffen kläffender Bestien feststellten. Also zurück ins Dorf und
ab in die Pizzeria… schon wieder Mafiatorte… Ein paar Gläser Rotwein später
schlenderten wir zurück zum Hotel, bereits etwas wehmütig, da der nächste Tag
der letzte der Tour sein sollte. Meine Nachtruhe wurde durch das Husten und
Rotzen meines Zimmergenossen Jürgen Alfred empfindlich beeinträchtigt. Eine
mangels Drogen, die am Tag zuvor zur Neige gingen, wieder aufbrechende Erkältung
sorgte dafür, das Jürgen am nächsten Morgen aussah, als wäre er in der Nacht vom
Bus angefahren worden.

7.
Etappe, 9.9.2007, von Stenico nach Riva/Torbole
Jürgen Alfred sah wirklich
beschissen aus, und so entschloss er sich, nach dem dürftigen Frühstück den
direkten Weg nach Riva zu nehmen, während Gunther, Dirk und ich uns noch ein
paar Höhenmeter gönnten. Zunächst fuhren wir gemeinsam ab nach Ponte Arche, wo
wir uns von Jürgen trennten. Weiter ging's zunächst auf Straße nach Godenzo.
Dort bogen wir rechts auf einen steil ansteigenden Feldweg ab. Ein paar hundert
Meter weiter wurde der Weg schmaler und steiler, bis wir nur noch
schiebenderweise vorankamen. Glücklicherweise mündete der verblockte Pfad bald
wieder auf einen geschotterten Fahrweg, welchem wir bis zur Malga Val Bona
folgten. Da eine Moser-Tour vom Gardasee auf den Monte Casale an dieser Malga
vorbeiführte, war dort entsprechender MTB-Verkehr. Gardasee-typisch waren die
Biker, die wir dort antrafen, ausschließlich mit funkelndem High-Tech-Gerät
unterwegs, sodass wir uns auf unseren zwar recht guten, aber doch etwas betagten
und vor allem eingesauten Bikes etwas ärmlich fühlten.
Weiter
ging's fast höhengleich zu unserem traditionell letzten Einkehrschwung zum
Bikertreff San Giovanni al Monte. Bei super Sonnenschein herrschte dort reger
Betrieb. Wir gönnten uns dort ein Päuschen bei einer Apfelschorle, bevor wir uns
auf direktem Weg nach Arco begaben. Eigentlich ist es ein Verbrechen, von San
Giovanni del Monte auf Asphalt in die Tiefe zu stürzen, da von dort einige tolle
Trials nach Arco und Riva führen. Wir haben aber in den letzten Tagen genug
Schotterabfahrten gehabt, und so vernichteten wir die letzten 1000 Höhenmeter
auf der kleinen Straße nach Arco. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn
hinter einer Kehre plötzlich der Garda-See, das Ziel aller Anstrengungen der
letzten Woche, auftaucht. Ein Eis in der Eisdiele in Arco musste aber zur Feier
des Tages noch sein, bevor wir weiter nach Riva düsten, um dort im Hafen bei ein
paar Weizenbieren den erfolgreichen Abschluss der Tour zu feiern. Jürgen hatte
mittlerweile ein Hotel in Torbole organisiert und siechte auf dem Zimmer vor
sich hin. Leider konnte er uns deshalb beim Feiern nicht helfen. Solange wir
noch in der Lage waren, vernünftige Sätze zu bilden, informierten wir die
Daheimgebliebenen vom erfolgreichen Abschluss unserer Tour. Die 3 km nach
Torbole gingen flott von statten. Auf dem Weg reservierten wir noch im Surfers
Grill einen Tisch für unser Abschluss-Dinner, bevor wir zum Duschen ins Hotel
aufbrachen. Um die stinkenden Klamotten loszuwerden, kauften wir uns noch ein
paar echte Baumwoll-T-Shirts. Endlich raus aus den Plastik-Klamotten. Frisch
eingekleidet, aber leider ohne den leidenden Jürgen Alfred, ging's ab zum
Surfers-Grill. Ein wirklich super Essen bildete den würdigen Abschluss einer
alles in allem noch sehr schönen Tour. Nach dem ausgiebigen Essen kippten wir
noch ein paar Caipirinhas (http://de.wikipedia.org/wiki/Caipirinha)
hinterher, bevor wir uns zur Nachtruhe begaben.

Rückfahrt,
10.9.2007
Wieder, wie in den vergangenen
Jahren, vertrauten wir auf die Dienste von No-Limits-Sportreisen aus Rosenheim.
Diesmal waren wir jedoch leider alles andere als zufrieden. Der Ford Transit
musste außer uns 3 Figuren (Jürgen wurde von Frau Michaela abgeholt, da er noch
ein paar Tage Urlaub dranhängen wollte) noch 4 weitere Biker über die Alpen
schleppen. Eigentlich kein Problem, aber die Herrschaften mussten nach Ischgl.
Wer sich in der Region etwas auskennt, weiß, dass es von Ischgl nach Oberstdorf
eine kleine Weltreise ist. Dementsprechend eierten wir genervt mit dem Transit
durch die Alpen. Der Fahrer gab zwar sein bestes, uns etwas bei Laune zu halten,
aber der Frust ob der verlorenen 3 Stunden saß tief. Fürs nächste Mal müssen wir
uns wohl nach einem anderen Shuttle umsehen.
Wie dem
auch sei, irgendwann erreichten wir Oberstdorf. Unsere Autos standen noch
wohlbehütet in der Tiefgarage vom Gästehaus Thomas. Die Wirtin erkundigte sich
rührend nach dem Verlauf unserer Tour und versicherte uns, bei dem Scheisswetter
der ersten Tage oft an uns gedacht zu haben.
Die
Rückfahrt von Oberstdorf verlief dann störungsfrei. Ich kam in Overath gegen
21:15 an.
Fazit
Trotz des
bescheidenen Wetters und der dadurch notwendigen Streckenänderungen war es auch
dieses Jahr wieder eine tolle Tour. Highlight waren natürlich das Val D´Uina und
das Rabbi-Joch. Auch die Brenta mit dem Val D´Agola ist immer ein Erlebnis. Der
Anteil der Schiebepassagen war relativ gering und die Etappen sehr moderat und
auch für weniger Trainierte problemlos machbar. Gut zwei Kilo hab ich während
der Tour zugelegt. Die Hoffnung, es könne sich um Muskelmasse handeln,
zerplatzte nach optischer Inspektion der kritischen Zonen recht schnell...
Die nackten Zahlen

Das
Höhenprofil

Die Strecke

©
by G. Wittmacher, 2007
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