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Alpentour 2012
13.7.
– 18.7.2012
Von
Roveredo zum Gardasee
399
km, 13002 hm, 6 Etappen
Auch dieses Jahr haben
wir uns wieder mit unseren Fahrrädern Richtung Alpen aufgemacht. Das
ursprünglich rege Interesse der Radl-Kollegen ebbte während der Planungsphase
deutlich ab, aber schlussendlich haben sich dann doch 3 Figuren gefunden, die
sich für die diesjährige Tour begeistern konnten. So machten sich Gunther, Seppl
und ich am 12. Juli Richtung Schweiz auf.

Die Zeit hatte offenbar
den Schleier des Vergessens über die unpräzisen Angaben von Achim Zahn's
Tourenbeschreibungen gelegt. So haben wir dieses Jahr wieder eine Tour aus
seinem Buch "Mit dem Mountainbike über die Ost- und Westalpen"
ausgesucht. Die Wahl fiel auf den zweiten Teil des "magischen Dreiecks". Den
ersten Teil von Oberstdorf nach Locarno hatten wir bereits 2006 gefahren. Dieses
Jahr war also Teil zwei an der Reihe. Den ersten Tag allerdings haben wir etwas
umgebaut, da wir die Zeit in der Schweiz wegen Kost und Kosten auf das machbare
Minimum beschränken wollten. Start war deshalb nicht Locarno, sondern Roveredo,
wo Gunther im Vorfeld eine Bleibe für die Nacht sowie einen sicheren Stellplatz
für unsere beiden Autos organisiert hatte.
Donnerstag, 12.7.2012,
Anreise
Wie jedes Jahr sind wir
wegen unterschiedlichen logistischen Bedürfnissen betreffend Rückreise wieder
mit zwei Autos angereist. Die Anreise war recht unspektakulär, nur vor dem
Gotthard-Tunnel gab es eine kleine verkehrsbedingte Verzögerung, weshalb sich
Gunther für die Fahrt über den Pass entschieden hat. Trotzdem sind wir
gleichzeitig wie verabredet um 19:00 Uhr im Ristorante Calancasca in Grono/Roveredo
eingetroffen. Nach Inspektion des Zimmers war es Zeit, die knurrenden Mägen mit
Pasta und Bier zu beruhigen. Noch war das Wetter gut und wir speisten im Freien.
Freitag, 13.7.2012, von
Roveredo nach Menaggio, 69,4 km, 2037 hm bergauf, 2130 hm bergab
Seltsamerweise
hatten Gunther und Seppl den selben nächtlichen Traum. Beide haben geträumt, ich
hätte des nachts geschnarcht. Völlig absurd. Wie dem auch sei, alles andere als
traumhaft war das Wetter. Draußen schien die Welt unterzugehen, während wir uns
über das ganz ordentliches Frühstück hermachten. Wenig motiviert ließen wir die
Rechnung kommen, die für Schweizer Verhältnisse recht fair war. Da uns der vom
Wirt angebotene Umrechenkurs für wenig vorteilhaft erschien, beschlossen wir, am
Geldautomat Geld zu holen und in Schweizer Franken zu bezahlen. Gunther machte
sich deshalb auf zur nächsten Bank, während Seppl und ich schon mal unseren
Krempel zusammenpackten. Nachdem wir bezahlt hatten, sah das Wetter schon besser
aus, zumindest war es von oben weitgehend trocken. Die Autos haben wir bei einer
nahe gelegenen Carozzeria abgestellt. Schnell wurden die Räder ausgeladen und
startklar gemacht. Gunther und Seppl sind mit neuem Material angereist,
natürlich vom Feinsten... Noch schnell ein erstes Bild mit Selbstauslöser und
los ging’s, zuerst auf Straße leicht bergab über Lumino nach Castione. Ab hier
kannten wir die Strecke, da wir uns nun auf den Pfaden der Schluss-Etappe der
2006er Tour bewegten, nur in umgekehrter Richtung. Es war wegen des Regens
mächtig schwül und so kamen wir alle bei den 1900 Höhenmetern mächtig ins
Schwitzen. Die Aussicht auf Italien beflügelte uns jedoch derart, dass wir fast
ohne Zwischenstopp zunächst auf Asphalt, dann auf immer schlechter werdendem
Schotter bergwärts düsten. Die letzten Höhenmeter zum Passo San Jorio war
Schieben angesagt. Den fast höhengleichen Pfad zum Rifugio San Jorio hatte ich
persönlich deutlich zäher in Erinnerung, wahrscheinlich weil mir noch die
Quengelei einzelner Mitstreiter von 2006 in den Ohren klang. Obwohl Heidi heute
keinen Dienst hatte und die Hütten-Terrasse nicht bewirtet war, gönnten wir uns
eine gute Portion Spagetti und eine Zitronenlimonade… wir waren in Italien
angekommen.
Die zunächst sehr steile
Schotterabfahrt brachte unsere Scheibenbremsen so richtig auf Temperatur. Nach
etwa halber Strecke ging's weiter auf Asphalt bis nach Dongo am Comer See, wo
wir rechts auf die Hauptstraße abbogen und dem Ufer Richtung Menaggio folgten.
Die viel befahrene Hauptstraße führte gelegentlich durch Tunnels, die sich
jedoch recht komfortabel auf dem Radweg direkt am See umfahren ließen.
In Menaggio angekommen
fanden wir recht fix ein passendes 1-Sterne Albergo mit Pizzeria. Die Mehrheit
beschloss, dass es für die Nachtruhe aller Beteiligten günstiger wäre, wenn ich
ein Einzelzimmer bekäme. Nachdem die Klamotten und deren Besitzer einer mehr
oder weniger intensiven Reinigung unterzogen waren, machten wir uns zu einem
kleinen Stadtbummel auf, um eventuell eine bessere Location für die abendliche
Nahrungsaufnahme zu finden. Da dieses Ansinnen nicht von Erfolg gekrönt war,
schlappten wir zurück zum Albergo. Die zugehörige Pizzeria hatte sich
mittlerweile deutlich gefüllt, was wir als gutes Zeichen deuteten. Die Pizza
dort war auch sehr gut, ein Eis am Seeufer passte aber noch rein. Müde und
zufrieden zogen wir uns in unsere Gemächer zurück, wo Gunther und Seppl sich
eine Decke teilten.

Samstag,
14.7.2012, von Menaggio nach Lenna, 65,9 km, 2170 hm bergauf, 1783 hm bergab
Das
Frühstück war passabel, und nachdem wir die Rechnung beglichen hatten, ging's
los Richtung Hafen. Wir mussten zunächst per Fähre über den Comer See nach
Varenna übersetzen. Die gutgelaunte und offenbar musikalische Besatzung unseres
Kahns hätte zahlenmäßig sicher ausgereicht, die Queen Mary 2 über den Atlantik
zu schippern. Nach ein paar Minütchen Kreuzfahrtfeeling liefen wir im
schnuckeligen Hafen von Varenna ein. Ein paar Kilometer fuhren wir in Ufernähe
nach Bellano, bevor uns unser Weg bergwärts auf Asphalt und dann auf immer
steiler werdender Betonpiste zum Rifugio Dino Tavecchia führte. Dort stand erst
mal Sammeln und Flüssigkeitsaufnahme auf dem Programm. Danach ging's per pedes
weiter auf schmalem, steilem Pfad. Zahn spricht von 150 hm schieben, doch durch
die enormen geotektonischen Aktivitäten in der Region sind daraus wohl seit
seiner Pionier-Tour durch Gebirgsauffaltung ca. 500 Höhenmeter geworden, die uns
einige Zeit beschäftigten. Mit jedem Höhenmeter sank die Temperatur und damit
glücklicherweise auch die Anzahl der Fliegen, die nach einem Lift Richtung Passo
del Camisolo suchten. Im Rifugio Alberto Grassi gönnten wir uns Pasta und
Strudel. Der Lehmofen bollerte im gemütlichen Gastraum und so konnten wir uns
aufwärmen und die Klamotten etwas trocknen. Da wir etwas unsicher betreffend des
weiteren Verlaufs der Route waren, fragten wir den Hüttenwirt um Rat. Vor der
Hütte erklärte er uns ausschweifend den Weg, während wir dem Erfrieren nahe
waren. Dicke Wolken zogen auf und gelegentlich war schon dumpfes Donnern zu
hören. Na prima, laut Zahn sollten 15 Minuten Schieben/Tragen folgen. Aufgrund
der schon gemachten Erfahrungen betreffend zahnscher Zeitangaben waren wir nicht
besonders überrascht, dass wir dafür eine satte Stunde brauchten,
zugegebenermaßen inklusive ein paar Minuten Kartenstudium. Der Himmel
verdunkelte sich zunehmend und das Donnern kam immer näher. Gerade noch
rechtzeitig schafften wir es auf einigermaßen befestigtes Geläuf, bevor
sintflutartige Regenfälle die Straße in einen Sturzbach verwandelten. So surften
wir bibbernd und triefend talwärts, wo wir hofften, in Piazza Brembana eine
Bleibe für die Nacht zu finden. Wir steuerten erwartungsvoll das erste und
einzige Haus am Platz an, aber leider war dieses ausgebucht. Das Personal war
aber sehr freundlich und hilfsbereit und servierte uns in der Hotelgarage
kostenlos warmes Pizzabrot, während man sich drinnen telefonisch um ein Albergo
für uns kümmerte. Nach wenigen Minuten war auch etwas Entsprechendes gefunden.
Der Regen hatte mittlerweile nachgelassen. Das Albergo Panoramico befand sich
nur ein paar Radminuten von Piazza Brembana in Lenna und wir wurden dort auch
schon erwartet. Die Begeisterung des Personals, speziell der Putzfrau, hielt
sich beim Anblick von uns 3 versifften Gestalten allerdings in Grenzen. Die
Sauerei, die wir im Albergo trotz angemessener Rücksichtnahme verursachten, war
dann auch beachtlich. Seppl opferte sogar sein mitgebrachtes Handtuch, um den
gröbsten Dreck vom Fußboden des Hotelzimmers zu beseitigen. Für ein paar Euros
ließen wir unsere Klamotten waschen und duschten erst mal warm. Dann ging's zum
Essen fassen. Wir hatten uns für Halbpension entschieden und waren auch ganz
zufrieden. Für gute Laune sorgten auch die besseren Wetteraussichten für die
nächsten Tage. Ab in die Falle...

Sonntag,
15.7.2012, von Lenna nach Vilminore, 61,8 km, 2733 hm bergauf, 2170 hm bergab
Während
der Nacht regnete es recht heftig und der See neben unserem Albergo hatte über
Nacht die cappuccino-ähnliche Färbung angenommen. Jetzt aber schien die Sonne
und half uns aus den Federn. Im Frühstücksraum lief schon wieder die Glotze.
Unsere Klamotten lagen gewaschen, aber noch etwas klamm am Frühstückstisch. Das
Frühstück war recht einfach, aber dem Preis angemessen. Die Zeitungen, die wir
am Vorabend in unsere Schuhe gestopft haben, haben ihr Bestes gegeben, ganz
trocken waren die Latschen aber nicht. Zunächst auf Asphalt ging's bergauf, dann
war laut Zahn wieder 15 Minuten Schieben angesagt. Zu unserer Verwunderung hat
diese Zeitangabe diesmal auch ganz gut hingehauen. Oben am Passo del Branchino
legten wir ein paar Minuten Pause ein und genossen die Sonne. Gunther war
offenbar vom tollen Wetter so angetan, dass er voller Begeisterung die Abfahrt
zum Rifugio Alpe Corte zunächst ohne Rucksack antrat. Er hat den fehlenden
Ballast allerdings nach wenigen Höhenmetern bemerkt und das Ding geholt. Im
Rifugio auf 1410 m stärkten wir uns mit Spagetti für die kommende steile und
zunächst recht ruppige Abfahrt. Unten angekommen wollten wir der Straße folgend
den nächsten Anstieg in Angriff nehmen, aber ein nagelneuer Radweg lud geradezu
dazu ein, die Straße zu verlassen. Die Erbauer des Radwegs hatten aber wohl
während der Planung an Hardcore-Intervall-Training gedacht, denn der Weg
mäandrierte mit atemberaubenden Steigungen und Gefällen um das Höhenniveau der
Straße auf der anderen Flussseite. Bei der nächsten Brücke entschieden wir uns
deshalb wieder für die Straße, um Körner zu sparen. In Valbondione sollte wieder
eine Schiebepassage von 20 Minuten beginnen, deshalb haben wir dort noch mal
eine kurze Pause eingelegt, um ein paar Kaltgetränke zu uns zu nehmen. Weiter
ging's auf der unserer Überzeugung nach zahnschen Route. Aus den angekündigten
20 Minuten Schieben wurden satte 1.5 Stunden über einen mit Stahlseilen und in
den Fels gehauenen Eisentritten gesichertem Pfad. Die Legionen von Fliegen
trugen auch nicht gerade zur guten Laune bei, eher schon ein fröhliches Liedchen
zu Ehren des Buchautors (Wir singen dem Achim ein Lied, ein Lied...). An der
unbewirteten Fles Alm haben wir angesichts der schon etwas fortgeschrittenen
Zeit kurz über eine Übernachtung dort nachgedacht, die Idee aber nach einem
Blick durch die offen stehende Tür schnell verworfen. Irgendwann haben wir es
dann doch geschafft und sind oben an der Kapelle angekommen. Von hier aus war
noch etwas Schieben bergab angesagt, da die starken Regenfälle der vergangenen
Tage dem Weg ziemlich zugesetzt hatten. An einem Wasserfall kurz vor der
Rückkehr in die Zivilisation hat Gunther noch kurz geduscht. Schotter und
Asphalt führte uns Talwärts und am ersten Albergo an der Straße haben wir gleich
eingecheckt. Die Hütte machte außen und innen einen total runtergekommen
Eindruck und das Szenario im Gastraum erinnerte etwas an die Rocky Horror
Picture Show, aber wir waren ziemlich platt und deshalb nicht besonders
wählerisch. Nicht einmal nach dem Preis haben wir gefragt. Duschen und
Klamottenwaschen stand auf dem Programm. Unten im Gastraum lief die Glotze mit
voller Lautstärke und beschallte das ganze Tal. Opa saß davor und erfreute sich
an Berlusconis' niveauvoller Abendunterhaltung, während Oma sich in der Küche um
unser leibliches Wohl kümmerte. Pasta, Kotelett, Brühwurst, diverse Beilagen,
Bier und Rotwein übertrafen das Erwartete. Gut gesättigt verkrochen wir uns in
unser Schlafgemach. Weil wir unsere Wäsche in den benachbarten leer stehenden
Zimmern aufgehängt hatten, hielt sich die nächtliche Geruchsbelästigung in
Grenzen, und so verlief die Nacht ruhig, abgesehen vom Lärm der Straße.

Montag, 16.7.2012, von
Vilminore nach Marone, 62,5 km, 1208 hm bergauf, 2159 hm bergab
Für
heute war eine Weichei-Etappe geplant. Das Frühstück war ok und gespannt
erwarteten wir die Rechnung, welche sehr günstig ausfiel. Die Sonne schien wie
angekündigt und wir rollten entspannt auf der Straße talwärts über Vilminore di
Scalve nach Dezzo di Scalve. Dort bogen wir links von der Hauptstraße ab und
folgten der wenig befahrenen, aber gut ausgebauten Nebenstraße bergauf. Die
Abfahrt auf einen idyllischen Feldweg verpassten wir zunächst trotz GPS und
mussten deshalb ca. 2 km zurückfahren. Auf einem schönen Schotterweg mit
teilweise recht heftigen Rampen fuhren wir durch sehr idyllische Landschaft und
gönnten uns vor der finalen Abfahrt zum Lago d'Iseo eine ausgedientes Päuschen
auf einer sonnigen Bergwiese.
Die
Abfahrt zur Hauptstraße war extrem steil und forderte unseren Bremsen alles ab.
Besorgt lauschten wir dem Kreischen der verglasten Beläge und setzten uns mental
schon mal mit der Möglichkeit eines kompletten Bremsversagens auseinander, aber
es ging alles gut. Auf der Straße angekommen, stand uns der Sinn nach etwas
Essbarem. Wir steuerten das nächste Lokal an, aber leider gab es dort nach
Auskunft des Dienst habenden Kellners nur abends etwas zu Futtern. Enttäuscht
bestellten wir Getränke und waren angenehm überrascht, als der Kellner mit
Knabberzeug und Pannini zurückkam. An der Bushaltestelle vor der Kneipe kam
gerade der Bus an und der poetisch begabte Busfahrer erklärte uns während wir
speisten ausschweifend die Schönheit der umliegenden Bergwelt.
Auf der Straße schossen
wir hinunter zum See und genossen den kühlen Fahrtwind. Da die stark befahrene
Hauptstraße am Ostufer des Lago d'Iseo durch teilweise recht lange Tunnels
führt, wollten wir diese auf dem Uferradweg umgehen. Am Eingang des ersten
Tunnels zweigt der Radweg rechts von der Straße ab. Leider war der Radweg wegen
Steinschlag gesperrt. Die Absperrung stellte aber kein großes Hindernis dar und
wir beschlossen, dass es angenehmer wäre, von einem Stein erschlagen als von
einem LKW im Tunnel überrollt zu werden. Also rüberklettern. Der Weg war
wirklich sehr schön, und wir waren dort auch nicht alleine. Offenbar nahm die
Absperrung keiner wirklich ernst. Einige Kilometer rollten wir so gemütlich
direkt am See entlang, bis wir kurz vor Ende des Radweg auf ein unüberwindbares
Hindernis stießen. Der Ausgang eines kurzen Tunnels war mit einem massiven, ca.
4 Meter hohem Stahltor verschlossen. Endstation, eine Umgehung erschien
unmöglich. Seppl erklomm die Steilwand vor dem Tunnel, um zu sehen, ob man dort
irgendwie auf die Straße kommen könnte, leider ohne Erfolg. Mit Hilfe eines
Eingeborenen fanden wir aber ca. 2 km entfernt einen kleinen versteckten Weg,
der uns auf die Hauptstraße und von dort nach Marone führte. Weil wir dort kein
Albergo entdecken konnten, fragten wir am Campingplatz nach. Dort war man sehr
hilfsbereit. Per Telefon organisierte man uns eine Ferienwohnung im Ort und
eskortierte uns dorthin sogar mit Geländewagen. Im Gegenzug reservierten wir in
der zugehörigen Pizzeria für den Abend einen Tisch.
Die Wohnung war wirklich
sehr schön und mit allem ausgestattet, was man so braucht. Wir waren sehr zeitig
dran und genossen die Wassermelone, die Seppl zwischenzeitlich im Supermarkt
besorgt hatte, auf der sonnigen Terrasse. Etwas störend war nur der zwar
friedliche, aber sabbernde Cockerspaniel, der um uns rumlungerte. An einer Bar
am See-Ufer gönnten wir uns ein Getränk und vertrieben uns die Zeit bis zum
Abendessen. Die Pizzeria beim Campingplatz, wo wir einen Tisch reserviert
hatten, war gut besucht und die Pizza sehr gut. Zurück zur Ferienwohnung, wo ich
die Nacht wieder in Einzelhaft verbrachte.
Dienstag, 17.7.2012, von
Marone nach Anfo, 71,1 km, 2788 hm bergauf, 2593 hm bergab
Gut ausgeruht
versammelten wir uns zum reichhaltigen Frühstück auf der schon wieder sonnigen
Terrasse. Der sabbernde Spaniel war glücklicherweise nicht zum Frühstück
erschienen. Seppl's Scheibenbremse bedurfte nach den Bremsorgien der vergangenen
Tage etwas Zuwendung. Das kleine Asphaltsträßchen zum Rifugio Croce di Marone
stellte für unsere ausgeruhten Beine keine große Herausforderung dar. Etwas
nervös machte uns allerdings die folgenden von Zahn angekündigten 30 Minuten
Schieben. Deshalb rasteten wir im Rifugio kurz und stärkten uns. Im Gegensatz zu
den bisher gemachten Erfahrungen war allerdings ein Großteil des Pfades fahrbar
und der Schiebeanteil war wirklich nur ca. 30 Minuten. Die folgende Abfahrt nach
Lavone auf Beton und Schotter war wieder teilweise extrem steil, aber
durchgehend fahrbar. Es stand heute noch ein Straßenpass an. Bevor wir diesen in
Angriff nahmen, stärkten wir uns noch mit Zitronenlimo und Pannini. Mit neuer
Energie hängten wir uns an einen (zugegeben etwas betagten) Rennradler Richtung
Pass. Dieser konnte aber auf Dauer Seppls Tempo nicht mitgehen und
verabschiedete sich auf halber Strecke mit einem frustrierten "Basta". Bei
gefühlten 50°C kamen wir ebenfalls gefühlte 200 Serpentinen später ziemlich
platt oben am Gioggo del Maniva an und schütteten dort Unmengen von kühler
Zitronenlimonade in unsere ausgedörrten Astral-Körper. Wieder gut erfrischt
ging's weiter auf dem landschaftlich ziemlich spektakulären, für Autos
gesperrten alten Militärsträßchen zum Passo del Dosso Alto auf 1727 m. Die Sonne
brezelte und wir hatten nur noch 1300 Höhenmeter Asphalt-Abfahrt nach Anfo vor
uns. Etwas störend war hier nur der gelegentliche automobile Gegenverkehr, der
die Spannung speziell in unübersichtlichen Kurven doch deutlich erhöhte. In Anfo
angekommen checkten wir sofort im einzigen Hotel direkt am See ein. Einfach,
aber sauber sind dort die Zimmer. Auf
der schicken Terrasse direkt am See gönnten wir uns ein schnelles Bierchen,
bevor wir mit Rad-Klamotten in den kühlen See hüpften. Das erwartete
Fischsterben blieb aus und die Klamotten waren danach wieder leidlich sauber.
Vor dem Essen auf der Hotelterrasse blieb gerade noch Zeit für eine kurze
Dusche. Die Pizza war klasse. Danach gönnten wir uns einen kurzen
Verdauungs-Spaziergang am See und über den nahe gelegenen Campingplatz. Der
Alleinunterhalter an der Bar des Campingplatzes lud nicht wirklich zum
Verweilen dort ein, deshalb haben wir nach einer Alternative gesucht, um kurz
noch einen Gute-Nacht-Kaffee zu trinken. Die Terrasse der auserwählten Lokalität
war allerdings derart von fliegendem Ungeziefer befallen, dass das Personal mehr
mit der chemischen Keule als mit Tablett und Bestellblock beschäftigt war.
Gunther hat noch kurz eine unbeabsichtigte Paral-Dusche genommen, dann sind wir
ins Hotel geflüchtet.

Mittwoch, 18.7.2012, von
Anfo nach Torbole, 69,1 km, 2067 hm bergauf, 2170 hm bergab
Finale!!!
Nach dem Frühstück brachen wir zur letzten Etappe auf. Der Drang zum Gardasee
war groß und deshalb haben wir spontan und unterwegs die Etappe auf das
Wesentliche eingedampft. Anstatt uns durch die Prärie auf den Tremalzo zu
quälen, beschlossen wir, in Storo auf der Fahrstraße auf den Tremalzo
abzubiegen. Das Wetter war wieder bombig. Gunther hat sich für ein paar
Serpentinen an einen Trecker gehängt, aber lange hat es nicht gedauert, bis sein
Arm lahm wurde und er loslassen musste. Ein für uns ungewohntes Bild boten die
vielen Biker, die wir hier antrafen. In den letzten Tagen hatten wir den
Eindruck, dass wir die einzigen Radler in den Alpen wären, aber hier war die
Nähe des Gardasees unübersehbar. Oben im Tremalzo-Restaurant gönnten wir uns
trotz launischer Bedienung Spaghetti und alkoholfreies Weizen. Nur noch ca. 100
hm zum Tremalzo-Tunnel galt es zu bewältigen. Der Tremalzo-Pass war für Gunther
und mich bekanntes Terrain, aber Seppl war gespannt auf seine erste Fahrt auf
der legendären Abfahrt. Etwas enttäuscht von der Abfahrt war er schon, als wir
am Passo Nota ankamen. Ich hab mich auf dem Weg dahin bei einem stilvollen
Überholmanöver etwas abgelegt, aber beleibende Schäden an Mensch und Maschine
konnte ich durch ausgefeilte Falltechnik vermeiden.
Unser Ziel war es, mit
möglichst wenig „Rum-Trialen“ vom Passo Nota nach Pregasina zu gelangen und von
dort über die Ponale-Straße nach Riva zu rollen. Das mit dem "wenig Rum-Trialen"
hat aber nicht so toll geklappt, denn nach kurzer Zeit befanden wir uns exakt
auf dem Trial, den wir von früheren Touren kannten und eigentlich vermeiden
wollten. Sei's drum, hat trotzdem Spaß gemacht, und in Pregasina sind wir auch
angekommen. Die Via Ponale finde ich einfach immer wieder super, speziell nach
einer Transalp. Es ist einfach ein tolles Gefühl, hinunter zum See zu rollen und
zu wissen, dass es gleich geschafft ist.
Wie üblich gab's am
Hafen in Riva erst mal ein paar Bierchen, dazu Pasta und den obligatorischen
"alles bestens"-Anruf an die Daheimgebliebenen. Gunther führte noch ein paar
telefonische Nachverhandlungen mit unserem Shuttle-Kutscher zurück nach Roveredo,
bevor wir uns zum Einchecken im Hotel Geier in Torbole und zum traditionellen
Klamottenkauf für den Abend aufmachten. Versäumt haben wir es, im Surfers Grill
einen Tisch für das ebenfalls mittlerweile traditionelle Abschluss-Dinner zu
reservieren. Deshalb mussten wir eine Stunde Wartezeit in einer Kneipe nebenan
totschlagen, bevor wir um 21:00 Uhr endlich speisen konnten.
Das Essen war wie immer
super, auch wenn ich persönlich den Eindruck hatte, dass es diesmal nicht ganz
an die Qualität der vergangenen Jahre heranreichte. Natürlich durfte auch der
traditionelle Abschluss-Caipirinha (http://de.wikipedia.org/wiki/Caipirinha)
nicht fehlen, bevor wir uns zur Nachtruhe ins Hotel Geier zurückzogen.

Donnerstag, 19.7.2012,
Rückreise
Frühstück auf der
Hotelterrasse war für 8:00 Uhr angesagt. Nach dem Auschecken bewegten wir uns
Richtung Shell-Tankstelle, dem vereinbarten Treffpunkt mit unserem Shuttle.
Dieses war auch schon da. Fix wurden die Räder verladen und pünktlich um 09:30
waren wir unterwegs. Die Streckenwahl des Kutschers war für uns nicht ganz
nachvollziehbar, aber man kann zumindest sagen, dass wir kaum einen Stau
zwischen Riva und Chiasso ausgelassen haben. Da wir für den Tag außer Rückreise
keine Termine hatten, waren wir trotzdem sehr entspannt und nutzten die Zeit im
Shuttle, um die finale Abrechnung und ein Nickerchen zu machen. Ausgeruht kamen
wir gegen 14:30 Uhr in Roveredo an, wo wir unsere Autos unversehrt vorfanden.
Wir verabschiedeten uns vom Kutscher mit goldenem Handschlag und machten uns auf
zur getrennten Heimreise.
Fazit:
Das war wieder eine
gelungenen Tour mit relativ hohem Schiebeanteil am zweiten und dritten Tag, auf
von Mountainbikern sehr wenig frequentierten Pfaden. Die Tourenplanung anhand
der von uns benutzten Literatur ist allerdings aufgrund der unpräzisen Angaben
ziemlich nebulös und die Umsetzung ein echtes Abenteuer. Ich muss allerdings
zugeben, dass die Ausgabe des Buchs von Achim Zahn, das wir verwendet haben,
schon einige Jahre alt ist. Vielleicht sind neuere Ausgaben ja etwas besser. Das
Wetter hat diesmal mit Ausnahme des zweiten Tags super mitgespielt. Geholfen hat
dabei natürlich, dass die Tour sich ausschließlich auf der Alpensüdseite
abspielt. Die Alpennordseite war nämlich im gleichen Zeitraum deutlich nasser...
Die nackten Zahlen
Das Höhenprofil:

Verwendete Karten
Den ersten Tag haben wir
teilweise ohne Kompass-Karte bestritten, da es für diesen Teil der Schweiz
unserer Meinung nach kein erschwingliches und brauchbares Kartenmaterial gibt.
Ein Ausdruck der betroffenen Region von OpenMTBMap tut’s da genauso. Für den
Rest haben wir folgende Karten verwendet:
No |
Kompass |
Bezeichnung |
1 |
91 |
Lago di Como, Lago di Lugano |
2 |
105 |
Lecco / Valle Brembana |
3 |
104 |
Foppolo, Valle Seriana |
4 |
103 |
Le Tre Valli Bresciane, Idro, Iseo |
5 |
102 |
Lago di Garda, Monte Baldo |
©
by G. Wittmacher, 2012
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